Über 50 Jahre lang gibt es Alpina jetzt schon, und seit 1981 tritt der „Hersteller exclusiver Automobile“ beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg als eigenständiger Automobilhersteller auf. Es ging damals um die Abgrenzung von gewöhnlichen Autotunern. Heute muss sich Alpina auch von den Angeboten der BMW-Werke differenzieren, denn dort entstehen nicht nur die brutalen Modelle der M GmbH, sondern seit einigen Jahren auch die etwas sanfteren und weniger leistungsstarken M-Performance-Typen, die auf das reguläre Modellprogramm aufsetzen. Aber nach oben ist immer noch Raum: Das zeigt der Alpina B5 Biturbo Allrad Touring.

Als einziger Achtzylinder-Kombi mit BMW-Genen belegt er eine solitäre Stellung im Modellprogramm: BMW bietet den 5er-Touring nämlich nur noch mit Vier- und Sechszylindermotoren an. Mit dem 608 PS starken V8-Motor von Alpina wird er zum vielleicht besten Kombi der Welt. Und auf jeden Fall zum schnellsten: Alpina regelt seine Autos nicht ab, und so kommen die Fahrwiderstände erst bei glatten 330 km/h zum Ausgleich. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert nur 3,5 Sekunden. „Alpina ist auf der Autobahn zuhause“, sagt Andreas Bovensiepen, Ko-Chef von Alpina und Sohn des Firmengründers.

Der B5 liefert sein enormes Dehmoment von 800 Nm schon bei 3000 Nm, das Automatikgetriebe wurde entsprechend verstärkt. Erstmals gibt es ein Sound-Effekte: Bei Vollgas wird ein wenig Bass hinzugemischt, und im Leerlauf grollt der V8 etwas aggressiver. Der neue 5er ist einfach zu leise und zu stark gedämmt; das Quantum künstlich erzeugten Extra-Sounds schärft den emotionalen Appeal des Alpina B5.

Fahrwerk und Antrieb meistern die schwierige Gratwanderung zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit hervorragend; der Komfort ist erstaunlich, das Auto ist wie geschaffen für lange Hochgeschwindigkeitsetappen. Die Stabilität bei hohen Tempi ist extrem wichtig, denn der Alpina ist nochmals erheblich schneller als die M-Modelle von BMW.

Heckbetonte Auslegung

Der Allradantrieb ist wegen der hohen Kundennachfrage grundsätzlich an Bord, es war Alpina allerdings wichtig, das Fahrgefühl eines hinterradangetriebenen Autos zu bewahren. Und so schaltet sich die Vorderachse nur bei Bedarf zu – bis zu 240 km/h. Darüber ist der B5 stets ein reiner Hecktriebler. Die heckbetonte Auslegung des Allradantriebs ist auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten extremer als bei BMW, und der negative Sturz wurde vergrößert: „Wir mögen kein Untersteuern“, sagt Bovensiepen.

Es gibt eigenständige Bilstein-Dämpfer und eine Pirelli-Bereifung der Dimension 255/35 ZR20 vorn und 295/30 Z20 hinten. Die jetzt geschmiedeten statt gegossenen Alufegen sind pro Exemplar um 5 kg leichter als das Vorgängerrad. Die Lenkungssoftware wurde ebenfalls überarbeitet, aber nicht zu scharf – denn ein Go-Kart-Feeling wollte Alpina vermeiden: „Ein Nordschleifen-Fahrwerk ist nicht so gut für jeden Tag.“ Keramikbremsen gibt es ebenfalls nicht: Die sind „nicht so effektiv, dass wir sie brauchen“, und überdies gilt: „Bremsenquietschen will im Alltag keiner.“

Für 115 300 Euro gibt es eine bereits sehr umfangreiche Serienausstattung, darüber hinaus ist fast alles an Individualisierung möglich. Markenaficionados werden sich für eine der zwei klassischen Alpina-Farben entscheiden: alpinablau metallic oder alpinagrün II metallic. Dazu passen die klassischen Alpina-Dekostreifen, deren Design seit den 70er-Jahren nur vorsichtig angepasst wurde. Sie stehen einem BMW noch heute so gut wie damals.


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