Die Automesse in New York (NYIAS, bis zum 8. April) läuft Detroit und Los Angeles mittlerweile den Rang ab. GTspirit unternimmt einen Rundgang und wählt aus der Riege der Exponate einige höchst subjektive Tops und Flops aus.

Top: Genesis Essentia

Genesis Essentia

Absoluter Höhepunkt der Messe ist die Sportwagen-Studie Essentia auf dem Stand der noblen Hyundai-Tochter Genesis. Mit einem Kohlefaser-Monocoque und Elektroantrieb zeigt der Essentia, gezeichnet unter Luc Donckerwolke und gebaut unter Federführung von Hans Lapine – Supercar-Proportionen, verweist jedoch darüber hinaus auf die Formensprache künftiger Serienmodelle.

Genesis Essentia

Der handwerkliche Standard ist anderen Concept Cars – auch aus dem VW-Konzern – deutlich überlegen. Die Marke Genesis kommt 2020 auf den deutschen Markt. In den USA profiliert sie sich schon heute mit Sportlimousinen wie dem G70, den es für Puristen auch mit Handschaltung gibt.

Top: Volvo XC 60

Volvo XC 60

Als World Car of The Year hat der Volvo XC 60 höchste automobile Ehren errungen; eine Jury von 82 Journalisten, darunter GTspirit.de-Herausgeber Des Sellmeijer und der Autor dieser Zeilen – wählte den Schweden zum Auto des Jahres, vor Range Rover Velar und Mazda CX-5. Entscheidend war wohl die Verbindung skandinavisch-puristischen Designs und sparsamen Antrieben.

Top: Audi Sport

Audi RS5 Sportback

Die Weltpremiere des RS5 Sportback unterstreicht, welche Bedeutung der US-Markt für die Neckarsulmer Performance-Tochter Audi Sport besitzt. Die 450 PS starke Fließheck-Limousine kommt zuerst in Amerika und erst dann in Europa und Asien auf den Markt. Form und Anspruch erinnern an den klassischen Quattro von 1980. Der R8 begeistert weiterhin, der RS3 bietet einen starken Einstand. Und der neue Audi-Sport-Chef Michael-Julius Renz war in New York persönlich vor Ort.

Top: Mercedes-AMG

AMG GT 63S

Jetzt kommen die AMG-Varianten der gelifteten C-Klasse, und der G63 AMG zeigt sich nach dem Genfer Salon auf einem seiner wichtigsten Märkte. Aber am wichtigsten ist weiterhin der sensationelle GT4, die viertürige Version des GT, von AMG-Chef Tobias Moers in enger Abstimmung mit Chefdesigner Gorden Wagener gestaltet und entwickelt. Der zweitürige GT hat den Porsche 911 ein bisschen geärgert, das Tandem AMG GT 53 und AMG GT 63S könnte dem Panamera richtig zusetzen. Und dann kommt noch ein 800-PS-Hybrid…

Top: Premium-Zulieferer

Auf Zulieferseite ist in New York einiges zu sehen. Autoneum stellt Konzepte und Ideen vor, mit denen der Komfort von Elektroautos nochmals gesteigert werden kann, und die italienische Kultmarke Brembo glänzt mit einem extrem leichten und steifen Aluguss-Festsattel, der beim Pagani Huayra BC zum Einsatz kommt. Der Supersportwagen dient gleichzeitig als Blickfang auf dem Brembo-Stand im Eingangsbereich der Messe. Farbige Bremssättel unterstreichen die Designkompetenz der Marke, By-Wire-Systeme weisen in die Zukunft.

Top: Cadillac und Lincoln

Zwei sehr unterschiedliche Interpretationen von amerikanischem Luxus: Opulent und elegant bei Lincoln, Powerplay bei Cadillac.

Stellvertretend dafür stehen die Lincoln-Studie Aviator auf Basis des kommenden Ford Explorer – und der Cadillac CT6 mit 550 PS starkem V8-Turbo.

Top: EPA

Die mächtige Umweltbehörde EPA legt sich unter ihrem neuen Chef Scott Pruitt erstaunliche Zügel an. Die extrem scharfen Planungen für zukünftige Flottenverbräuche sollen gelockert werden, zudem soll der Sonderstatus Kaliforniens verschwinden. Das verschafft der US-Industrie Luft zum Atmen.

Flop: Kia K900

Schon die erste Generation der Kia-Luxuslimousine K9/K900 sah nicht nach einem Geniestreich, sondern wie ein Sammelsurium von Stilelementen unterschiedlichster Hersteller aus. An diesem Rezept haben die Koreaner festgehalten, orientieren sich jetzt jedoch nicht mehr an BMW und Maserati – garniert mit Phaeton-Felgen -, sondern setzen nunmehr auf die Formensprache von Bentley und Mercedes-Benz in einem lauen Aufguss.

Dazu passend hat sich Kia mit Maurice Lacroix zusammengetan – jener Schweizer Uhrenmarke, die ihre fehlende Tradition durch überladenes Design unterstreicht. Schade: Von Kia hätten wir in der Oberklasse etwas mehr erwartet.

Flop: Autonomes Fahren

Foto: NTSB

Die Glorifizierung der E-Mobilität und des autonomen Fahrens fiel in New York weniger schillernd als gewohnt aus. Vor zwei Wochen hat ein Volvo-Testfahrzeug des Taxi-Dienstleisters Uber bei Testfahrten in Arizona eine Radfahrerin tödlich verletzt. Und nur wenige Tage vor der Messe verunfallte ein Tesla (s.u.).

Kein Wunder, dass hinter der Vision des autonomen Fahrens inzwischen ein großes Fragezeichen aufgetaucht ist. Weder bei Ford noch bei Jaguar wurden die entsprechenden Exponate in den Vordergrund gerückt.

Flop: Tesla

Elektro-Pionier Tesla hat die Messe in New York zwar geschwänzt, Gesprächsthema war die US-Marke trotzdem. Denn die Produktion des von der Presse hochgepriesenen Model 3 kommt nicht in Fahrt. Noch immer verfehlt Tesla die Produktionsziele weit, die Qualitätsmängel der wenigen ausgelieferten Fahrzeuge sind gravierend. Ein von uns statisch in Augenschein genommenes Exemplar profilierte sich nicht nur durch schlampige Passungen, sondern auch durch Konstruktionsfehler wie eine Rücksitzbank, die eine froschartige Sitzposition erzwingt.

Nicht genug damit: Wenige Tage vor der Messe ereignete sich in Kalifornien ein tödlicher Unfall mit einem Tesla Model X, das am hellichten Tage mit eingeschaltetem „Autopiloten“ ungebremst in eine Betonbarriere raste.

Die Branche bleibt unberechenbar, die Entwicklungen spannend. New York dient heuer als exzellenter Gradmesser.


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