Kein Hybrid, keine Elektroantrieb, dafür ein völlig neuer Ottomotor mit variablem Hubraum und variabler Verdichtung: Die noble Nissan-Tochter Infiniti glaubt an den Verbrenner. Seit Jahrzehnten arbeiten die Ingenieure an der Technik, mit dem neuen Crossover-SUV QX50 glaubt man, das richtige Modell gefunden zu haben. Der ungewöhnliche technische Ansatz wird gut versteckt, denn der Wagen zielt eigentlich auf den Massenmarkt.

Er ersetzt ein deutlich spitzer positioniertes Modell: Der Vorgänger erblickte bereits 2007 als Infiniti EX das Tageslicht, er basierte auf einer hinterradgetriebenen Plattform und war mit seinen V6-Motoren und knappem Schnitt ein sehr sportliches, zuletzt allerdings reichlich betagtes Angebot im Segment. Genauso wie seine Kundschaft: Das mäßige Platzangebot und die ins Hintertreffen geratene Elektronik führte dazu, dass den Japanern die Käuferschicht der jungen Familien völlig wegbrach.

Und so legt man bei Infiniti Wert darauf, dass der neue QX50 eigentlich alles anders macht. Das sieht man ihm schon auf den ersten Blick an: Das neue Modell ist größer und aufrechter, es wirkt eine Klasse höher positioniert. Infiniti hofft, in den USA den einen oder anderen Kunden aufzufangen, der bisher einen Lexus RX gefahren ist und über das aggressive Design der aktuellen Modellgeneration erschrocken ist. Mit dem neuen QX50 wird niemand anecken, wenngleich markentypische Elemente wie die geschwungenen Dachsäulen nicht ohne Witz sind.

Ungewöhnliche Antriebskombination

Der VC-Turbo genannte, völlig neuentwickelte 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo verfügt mit seinem variablen Verdichtungskonzept über eine absolute Alleinstellung. Der Motor agiert so souverän wie erhofft: Er leistet 272 PS bei 5600 U/min und erzeugt auf einem Plateau von 1600 bis 4800 U/min ein maximales Drehmoment von 380 Nm. Damit spurtet der QX50 in knapp 6,5 Sekunden Sekunden von 0 auf 100 km/h und schafft glatte 230 km/h Spitze. Die vibrationsarm laufende Maschine spricht spontan aufs Gas an, sorgt für eindrucksvolle Beschleunigung bis in den oberen Geschwindigkeitsbereich und inszeniert sich mit einem gedämpften, aber durchaus scharfen Motorengeräusch, das bisweilen in ein aggressives Fauchen umschlägt. Der Verbrauch soll sich auf dem Niveau eines Dieselmotors bewegen.

Leider ist der hervorragende Motor an ein CVT-Getriebe gekoppelt, das nicht nur relativ träge agiert, sondern überflüssigerweise herkömmliche Gangstufen simuliert. Bei scharfer Fahrweise sorgt das für hektisches Auf und Ab im obersten Drehzahlbereich, doch wenn der Fahrer den Fuß etwas zu lange vom Gaspedal nimmt, stürzt die Drehzahl wieder tief in den Keller. Wer das ein paarmal erlebt hat, lässt es lieber wieder bleiben – und befleißigt sich einer zurückhaltenderen Fahrweise.

Die passt auch besser zum Fahrwerk, das auf übertriebene Sportlichkeit verzichtet. Der Grenzbereich liegt erstaunlich hoch, aber er kündigt sich relativ frühzeitig an. Die Abstimmung der von uns gefahrenen Variante mit Allradantrieb ist trotz der 255er-Bereifung auf 20-Zoll-Rädern eher komfortbetont und passt damit sehr gut zu diesem SUV. Die Servolenkung funktioniert – eine weitere Innovation -nach dem By-Wire-Prinzip; sie ist angenehm abgestimmt, die Spreizung zwischen den verschiedenen Modi ist deutlich spürbar. Die Lenkung ist prädestiniert für die teilautonomen Fahrfunktionen, die Infiniti hier unter der Bezeichnung Pro Pilot zusammenfasst.

Das Interieur präsentiert sich mit modernem Styling und sehr bequemen Sitzen, die vielleicht noch etwas mehr Seitenhalt bieten könnten. Optional gibt es eine Innenausstattung aus cremefarbenem und braunem Leder mit blauen Ultrasuede-Akzenten; sie wirkt extrem hochwertig. Dekorleisten aus offenporigem Holz sorgen für Kontrast. Das Platzangebot ist großzügig; die Innenraumbreite ist ungewöhnlich groß, Erwachsene sitzen auch hinten bequem, und dazu gibt es einen ausgesprochen geräumigen Kofferraum.

Während Instrumentierung modern und übersichtlich gestaltet sind, fällt das Infotainment-System deutlich ab; es wirkt, als habe es Infiniti direkt aus dem Vorgänger übernommen. Das Problem ist erkannt, man will bald für Abhilfe sorgen; vielleicht gehört das neue Telematik-System beim europäischen Markstart im Jahr 2019 bereits zum Lieferumfang.

Die Einstiegspreise dürften dann bei rund 40 000 Euro beginnen und damit auf dem Niveau eines gut motorisierten VW Tiguan liegen. Sportliche Fahrer hoffen auf eine Variante mit V6-Turbomotor und Doppelkupplungsgetriebe, die ab 2020 auf den Markt kommen könnte. Für alle anderen ist der innovative und individuelle Infiniti QX50 auch mit vier Zylindern eine sehr gute Alternative.


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QuelleInfiniti
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