Die Fanwelt ist in heller Aufregung: Die Einstiegsbaureihe von Porsche hat ihre Sechszylinder-Boxermotoren verloren. Jetzt sitzen in der Fahrzeugmitte die neuentwickelten Vierzylinder-Boxer, die per Turboaufladung auf das Leistungsniveau der Vorgängeraggregate gebracht werden. Auch das neue Spitzenmodell, der 718 Boxster bzw. Cayman GTS, kommt jetzt mit einem Vierzylinder auf den Markt.

Mit seinen 365 PS, die er aus lediglich 2,5 Litern Hubraum holt, steht der Vollaluminium-Motor üppig im Futter. Die Fahrleistungen können sich sehen lassen: Der Spurt von 0 auf 100 km/h dauert gerade einmal 4,6 Sekunden, die Spitze liegt bei überragenden 290 km/h. Diese Daten sind erfreulich, zumal der Verbrauch – und das war der Sinn der ganzen Downsizing-Maßnahme – spürbar gesunken ist. Im Zyklus liegt er bei glatten 9 Litern pro 100 Kilometer.

Trotz Turboaufladung reagiert der Vierzylinder-Boxer sehr spontan aufs Gas; Porsche das typische „Turbo-Loch“ erfolgreich gestopft. Und der Motor dreht klaglos aus – auch das ist kein Selbstverständlichkit bei Turbomotoren. Das Klangbild hat sich allerdings deutlich verändert. Klang der Sechszylinder-Boxer noch melodisch wie ein 911, so ist das Klangbild des Vierzylinders mechanischer und weniger füllig. Es erinnert ein wenig an die klassischen Volkswagen-Modelle, und das ist automobilhistorisch nicht einmal verkehrt: Spiritueller Vorfahr der 718er-Baureihe ist schließlich der 914, und dessen Maschine kam vom VW 412. Baureihenleiter August Achleitner gibt dennoch zu: „Ein bisschen was könnten wir am Klang noch tun.“ Und er wird es auch.

Nahezu perfekter Antrieb

Wenig Verbesserungsbedarf sehen wir am Getriebe: Die Sechsgang-Handschaltung arbeitet exakt und mit relativ kurzen Wegen; es ist jedoch bedauerlich, dass sich die „Rev-Match“-Funktion, mit der Amateure am Lenkrad endlich in den Genuss perfekter Zwischengas-Stöße kommen, ausgerechnet in den sportlichen Fahrmodi nicht abgeschaltet werden kann. Sicher weiß Porsche, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Stammkundschaft zu diesem Manöver auch ohne elektronische Assistenz in der Lage ist. Diesen Kunden sollte man den Spaß nicht verderben, und tatsächlich wird man das aufdringliche Feature in der nächsten Generation wohl wieder abschalten können.

Gegen Aufpreis geht es ohnehin, und zwar mit dem hervorragenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das jedoch auch manuelle Eingriffe erlaubt. Und zwar entweder per Lenkradpaddel – oder über den Wählhebel auf der Mittelkonsole. Die frühere Hausfrauenlogik (Hochschalten: Hebel nach vorn) ist jetzt endlich endlich dem adäquaten Schema gewichen: Zum Hochschalten wird der Wählhebel nach hinten gezogen, zum Herunterschalten nach vorn gestoßen – gemäß dem natürlichen Bewegungsablauf beim Beschleunigen oder Bremsen.

Das Fahrwerk ist porschetypisch über jeden Zweifel erhaben. Drifts kündigen sich frühzeitig an, und das Auto lässt sich mit adäquater Leistung wunderbar per Lastwechsel und Gaspedal steuern. Man sollte allerdings wissen, was man tut. Der Grenzbereich liegt hoch, die Physik kann jedoch auch dieser Porsche nicht außer Kraft setzen.

Das Interieur gefällt mit klaren, horizontalen Linien, die nur durch eine Stoppuhr gestört wird, die beim ansonsten empfehlenswerten Sport-Chrono-Paket leider obligatorisch ist. Sie erhebt sich als Fremdkörper aus der Armaturentafel und liefert meist völlig überflüssige Informationen.

Lob gebührt Porsche dafür, mit der 718 eine alphanumerische Modellbezeichnung einzuführen. Die Ära der untechnischen Namen hat unter Wendelin Wiedeking begonnen, sie darf gerne einmal abgelöst werden. Einstweilen führen die Modellbezeichnung 718 und die Karosseriebezeichungen Boxster und Cayman eine einträchtige Koexistenz. Die erstaunliche Politik, das Coupé teurer anzubieten als das Cabriolet, wurde mit der aktuellen Modellgeneration revidiert.

Es gibt wenig Konkurrenz für den Porsche 718; dazu gehören sicher der Mercedes-AMG SLC 43, der 2018 kommende neue BMW Z4 sowie der Jaguar F-Type. Die Überschneidung mit den Einstiegsmodellen des 911 hat sich deutlich reduziert; auch das ist ein Verdienst der neuen Turbomotoren. Die Fanwelt kann beruhigt sein: Als Fahrmaschine ist der 718, vor allem in seiner GTS-Version, auch in Zukunft kaum zu schlagen.


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QuellePorsche
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