Jaguar Land Rover steigt aufs Gas – mit einer ganzen Batterie neuer SUVs, die auf dem Markt in der Breite attackieren. Jüngster Zugang ist der Range Rover Velar, mit 480 cm Länge, 193 cm Breite und 167 cm Höhe eindrucksvoll dimensioniert. Er basiert technisch auf dem Jaguar F-Pace und kommt mit Vier- und Sechszylindermotoren auf den Markt, die nach dem Otto- oder Dieselprinzip arbeiten.

Range Rover Velar

Die Fahrpräsentation in Norwegen neigt sich ihrem Ende zu. 500 Journalisten wurden von den Briten durchgeschleust, 82 Range Rover Velar waren unterwegs, dazu rund 20 Begleitfahrzeuge vom Typ Land Rover Discovery. Jetzt müssen die Autos von der Westküste nach Oslo gefahren werden, von dort werden sie nach Deutschland und Großbritannien gebracht. Start in Alesund: Die Stadt wurde 1904 nach einem verheerenden Brand mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut, die damals entstandenen Jugendstilbauten sind weltberühmt. Dafür habe ich bei dieser Reise keine Augen, schließlich ist ein erhebliches Kilometerpensum zu bewältigen. Am Flughafen holt mich ein weißer Discovery ab, der mich die nächsten zwei Tage lang begleiten wird.

Range Rover Velar

Übernahme des Range Rover Velar in einer Garage, tief in die Felsen gehauen. Bei der Spezifikation gibt es keine Auswahl: Ich bekomme einen Velar der First Edition mit einem 380 PS starken V6-Benziner. Der Grundpreis dieser Variante: 108 750 Euro. Fast doppelt so viel wie die Einstiegsversion, die bei 56 400 Euro liegt.

Range Rover Velar

Das Interieur ist futuristisch, puristisch und nobel, die Mittelkonsole scheint frei zu schweben; beim Einschalten der Zündung fährt der Zentralbildschirm ein Stück heraus. Die Bedienung funktioniert per Touch-Screen, relativ intuitiv. Ich wähle eine Route entlang des berühmten Trollstigen und der Adlerstraße nach Geiranger aus, von dort über den Reichsweg 15 nach Otta und über die E6 nach Osten. Wir geben die Wegpunkte ein, und los geht’s.

Range Rover Velar

Die ersten 100 Kilometer führen über landschaftlich reizvolle, aber anspruchslose Landstraßen; bis zu den steilen Serpentinen des Trollstigen ist genügend Zeit, sich mit dem Range Rover Velar vertraut zu machen. Die verschiedenen Fahrmodi unterscheiden sich in ihrer Ausprägung deutlich. Der Velar ist leise und komfortabel; ein ideales Reiseauto.

Range Rover Velar

Jetzt wird es interessant: Die Nordrampe des Trollstigen fordert Motor und Fahrwerk. Dabei kristallisiert sich ein Fahrzeugcharaker heraus, der vom Schwestermodell Jaguar F-Pace deutlich abweicht. Im Gegensatz zum F-Pace hat der Velar eine Luftfederung, die den Komfort steigert und die Geländegängigkeit verbessert. Der Querdynamik ist sie nicht zuträglich, genausowenig wie die eigenständige Vorderachse. Nur der Fahrmodus „dynamic“ hält die Neigung zum Wanken und Nachschwingen wirksam in Zaum – ohne dabei Maßstäbe zu setzen.

Range Rover Velar

Der von einem Eaton-TVS-Kompressor zwangsbeatmete 3,0-Liter-V6 spricht spontan aufs Gas an und bietet Fahrleistungen auf hohem Niveau: Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird mit 5,7 Sekunden angegeben, die Spitze wird bei 250 km/h abgeregelt. Viel mehr dürfte nach unserer Einschätzung allerdings ohnehin nicht drin sein, und subjektiv vermittelt dieser Ottomotor weniger Faszination, als die Papierwerte es vermuten lassen. Das Klangbild ist eher enttäuschend, und persönlich würde ich insgesamt den V6-Dieselmotor vorziehen. Der hat zwar 80 PS weniger, nämlich 300, liefert dafür jedoch statt 450 stolze 700 Newtonmeter Drehmoment. Alle Velar sind übrigens mit einer Achtgang-Automatik von ZF ausgerüstet.

Range Rover Velar

Zwischen Trollstigen und Adlerstraße werden die Kurven weiter, die Geraden länger. Zeit, über die Antriebsstrategie zu reflektieren: Einen Hybriden bietet Land Rover ebensowenig an wie eine reine Elektrovariante. Die Marktchancen dafür wären international gering. Anders in Norwegen: Außer in Kalifornien habe ich noch nie so viele Tesla gesehen. Das liegt an den exorbitanten Subventionen, die sich Norwegen wegen seiner einträglichen Ölexporte leisten kann. Ein Vorbild? Wohl kaum.

Range Rover Velar

Zwischenstopp am Gästehaus Pollfoss. Die Landschaft ist zugleich grandios und schwermütig, es sind bedeutende Schriftsteller aus ihr hervorgegangen. Neben den großen Durchgangsstraßen gibt es viele wenig frequentierte Nebenstrecken, auf denen man die Natur erleben kann.

Range Rover Velar

Abschluss eines intensiven Test-Tages. Ich habe nicht zuletzt gelernt, dass sich Range-Rover-Fahrer in Norwegen grüßen und dass es kein Problem ist, in die Nähe der offiziellen Verbrauchsangaben zu kommen: Angegeben ist diese Version mit 9,4 Litern, ich habe – trotz Trollstigen, Adlerstraße und insgesamt engagiertem Fahrstil – gerade mal 10,3 Liter verbraucht. Und entsteige den Velar im Zustand völliger Entspannung. Wenn jetzt noch die Zuverlässigkeit stimmt – und Land Rover beteuert, frühere Probleme gehörten der Vergangenheit an -, dann gilt: Der vielleicht schönste und futuristischste SUV auf dem Markt ist gleichzeitig einer der besten.


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QuelleJens Meiners
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