In den Chefetagen der Wirtschaft werden Konflikte gerne mit Ironie ausgetragen; der Kampf wird intern mit dem geschliffenen Wort geführt, nach außen bewahrt man die elegante Fassade. Plumpe Anschuldigungen sind nicht satisfaktionsfähig.

Doch nichts ist beständiger als der Wandel. Die hochgepriesenen Elektroauto-Visionäre aus China und aus dem Silicon Valley sind angetreten, um den etablierten Herstellern mal zu zeigen, wie man schneller und klüger agiert. Und im Sandkasten der Elektro-Startups werden auch Stilfragen neubewertet.

Stefan Krause

Einen eindrucksvollen Beleg dafür liefert Faraday Future mit der Personalie Stefan Krause. Dabei hatte Krause erst im März angeheuert, und FF ließ damals die Fanfaren erklingen: Der ehemalige BMW- und Deutsche-Bank-Vorstand sei ein unersetzlicher Bestandteil der Zukunftsstrategie. Krause, mit der Autobranche und der Welt der Investoren vertraut wie kaum ein anderer Manager, ließ seine Kontakte spielen, um das strauchelnde Projekt zu retten. Doch die chinesischen Investoren wurden ungeduldig.

Kein Dreivierteljahr später muss Krause den Hut nehmen. Und FF schickt ihm eine Pressemitteilung hinterher, die es in sich hat. Unter der Überschrift „Betreffend die sofortige Kündigung und die Einleitung rechtlicher Schritte gegen Herrn Stefan Krause“ formuliert die Elektro-Marke Erstaunliches.

GTspirit dokumentiert die Erklärung in deutscher Übersetzung:

„Faraday Future (FF) hat heute die Entscheidung bekanntgegeben, die Mitarbeit von Stefan Krause als CFO mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Stefan Krauses mögliche Rechtsverletzungen und die Vernachlässigung seiner Mitarbeit an den Zielen von FF hat über die Dauer seiner Amtsführung hinweg die Interessen von FF und seiner Investoren schwer beschädigt. FF geht aktuell rechtlich gegen seine Dienstvergehen und die Vernachlässigung seiner Pflichten vor.

Pascal Coustar wird vorübergehend die finanziellen Angelegenheiten von FF übernehmen.

Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Stefan Krause ist das Ergebnis seiner Handlungen, welche die Bemühungen von FF um Kapitalzufuhr behindert haben. FF wird diese Bemühungen weiterhin mit vollem Einsatz vorantreiben.

Darüber hinaus hat FF mit sofortiger Wirkung das Dienstverhältnis mit Entwicklungschef Ulrich Kranz beendet. Ulrich Kranz hat dieses Amt nur drei Monate lang ausgeübt und seine Kündigung wird den Forschungs- und Entwicklungsprozess sowie die Produktentwicklung nicht berühren.

Seit der Gründung vor vier Jahren hat Faraday Future Forschungs-, Entwicklungs- und Management-Teams von Weltformat rekrutiert und kultiviert, industrieweit führende eigenständige Technolgien gemeistert und revolutionäre Produkte kreiert. In Zukunft wird Faraday Future gemeinsam mit allen Mitarbeitern und Partnern weiterhin das Ziel verfolgen, die Automobilindustrie zu revolutionieren, indem ein intelligentes, Internet-basiertes Mobilitäts-Ökosystem geschaffen wird und unseren Nutzern einzigartige Werte geboten werden.“

Jetzt kommt die Realität

Darauf darf man gespannt sein. Schließlich befindet sich FF-Chef Yia Yueting, kurz „YT“, selbst quasi unter Hausarrest, während seine Firma einen Exodus von Managern erleiden musste; zuletzt hat Interieur-Chefdesigner Pontus Fontaeus, wie GTspirit im September exklusiv berichtete, die Firma verlassen.

Anderes wird bleiben. Beispielsweise die aktuelle Pressemeldung, die in die Annalen der PR eingehen dürfte. Sie dokumentiert einen neuen Stil – und gibt sich dennoch höchst bodenständig. Denn genauso hat sich Lieschen Müller eine zünftige Meinungsverschiedenheit auf Vorstandsebene schon immer vorgestellt.

P.S.: Krause legt Wert auf die Feststellung, dass er die Firma bereits am 14. Oktober verlassen hat. Seine Anwälte dürften die Steilvorlage, die FF mit der erstaunlichen Pressemeldung geliefert hat, dankbar aufnehmen.


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