Korean steht vor dem Sprung in die Oberklasse: Das Hyundai-Spitzenmodell Genesis ist mittlerweile zur Marke geworden, eine neue Modellgeneration steht in den Startlöchern.

Zentraler Bestandteil der Markenstrategie ist eine neue Formensprache; sie wird derzeit von Chefdesigner Luc Donckerwolke und seiner Mannschaft ausgearbeitet. Donckerwolke, der seine Karriere im Volkswagen-Konzern begonnen hat und nach Stationen bei Audi und Skoda als Chefdesigner von Lamborghini, Seat und Bentley wirkte, muss nun eine schlagkräftige Mannschaft schmieden, ohne die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen.

Luc Donckerwolke

„Genesis hat sich aus Hyundai herausentwickelt. Jetzt separieren wir die Marken und kreieren neue Teams, wollen aber Synergien behalten“, skizziert Donckerwolke seine Aufgabe: „Nur wenn wir Marken sauber synchronisieren, können wir Überschneidungen vermeiden.“

Inzwischen sind die Genesis- und Hyundai-Designteams in Korea (Namyang und Seoul) sowie in den USA (Irvine/Kalifornien) voneinander getrennt worden. „Wir haben aber keineswegs die Funktionen verdoppelt“, so Donckerwolke: „Das hilft uns nicht zuletzt, den Informationsfluss aufrechtzuerhalten.“ In Europa ist ein neues Advanced Genesis Global Studio entstanden, das von Sasha Selipanov geleitet wird. Gutmöglich, dass Genesis noch an weiteren Standorten Designteams aufbauen wird – etwa in China, Japan oder Indien.

Eine neue Formensprache

Genesis G70

Im September hat Genesis in Korea die Sportlimousine G70 vorgestellt. Das Auto wurde abgesegnet, bevor Donckerwolke zu Genesis stieß. Doch er hat überhaupt kein Problem damit: „Das Auto ist wirklich gut, es ist frech und sexy“, so der gebürtige Belgier: „Es fügt sich problemlos in meine Strategie ein.“

Genesis GV80

Wohin Donckerwolke Genesis führen wird, zeigt präzise die SUV-Studie GV80, die im Frühjahr auf der Automesse in New York gezeigt wurde. Das perfekt proportionierte Concept Car hebt sich mit athletisch-elegantem Auftritt von anderen, eher funktional wirkenden SUVs ab. Der vordere Überhang ist im Sinne einer klassischen Heckantriebs-Proportion kurz, der hintere lang; es gibt kaum Volumen oberhalb der Radausschnitte; die Fahrzeugkabine ist nach hinten gerückt, um genügend Abstand zwischen Armaturentafel und Vorderachse, das sogenannte „Prestigemaß“, zu schaffen.

Genesis GV80

Die Muskeln zentrieren sich über den vier Rädern, und die Seitenansicht wird durch eine gespannte Linie von der Front bis zum Heck strukturiert, die nach hinten leicht abfällt und damit die Antriebsräder betont. Donckerwolke nennt diese Linie „La Parabolica“; sie ist eine Anspielung auf klassische Prestige-Automobile.

Genesis GV80

„Wir haben die Proportionen optimiert, um weniger Make-Up auftragen zu müssen“, erklärt der Chefdesigner.

Viele Details am GV80 deuten konkret auf die zukünftige Formensprache der Marke hin – zum Beispiel die vierfach ausgebildeten vorderen und hinteren Beleuchtungselemente: „Die Quad Lights werden unsere Signatur“, so Donckerwolke. Und auch der Kühlergrill wird bei Genesis nicht (wie bei Hyundai) als Hexagon ausgebildet, sondern er präsentiert sich als Wappengrill.

Genesis GV80

Dabei soll das Design nach Segmenten ausdifferenziert und moduliert werden: „Wir machen keine Klone und keine Matroschka-Puppen“ – ein Statement, das man durchaus als Seitenhieb auf die deutschen Premium-Marken interpretieren darf. Das soll nicht nur unter den einzelnen Baureihen gelten, sondern auch für die Modellgenerationen: „Wir möchten vermeiden, dass die Kunden nicht mehr erkennen, welches eigentlich das neue Modell ist.“

Ambitionierte Modellpolitik

Das Modellprogramm, das momentan aus der Sportlimousine G70 sowie den größeren und nicht mehr ganz frischen Modellen G80 und G90 besteht, soll konsequent ausgebaut werden. Bis 2020 könnten drei neue Baureihen auf den Markt kommen, alle hinterradgetrieben – und in Zukunft kommen wohl auch Elektroautos.

Genesis G80

Den Genesis G80 gab es übrigens schon einmal in Deutschland: „Wir hatten das Modell vor rund zwei Jahren als ‚Versuchsballon‘ als Hyundai Genesis Sportlimousine in den europäischen Markt eingeführt,“ so ein Markensprecher. „Dort sollte die Akzeptanz der Kundschaft zum einen und die Vermarktung über den Handel zum anderen ausgelotet werden, das ganze als Vorbereitung auf die Einführung der eigenständigen Marke Genesis in Europa und Deutschland.“ Das wird 2020 geschehen, dann bereits mit den neuen Modellen.

Vielleicht hat Donckerwolke dann bereits zusätzliche Aufgaben: Sein Freund und Mentor Peter Schreyer, der derzeit das Design von Hyundai, Kia und Genesis übergreifend leitet, wird nächstes Jahr 65 Jahre alt.


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QuelleGenesis
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