Der VW-Konzern steht unter Beschuß, die Elektro-Wende – eine „große Wette“, wie ein Volkswagen-Direktor im privaten Gespräch gesteht – ist in vollem Gange. Marke und Konzern hatten es in der Produktentwicklung und -definition zur absoluten Meisterschaft gebracht, bis der „Dieselskandal“ losbrach und anschließend von den USA nach Deutschland überschwappte. Er zieht eine Spur der Verwüstung durch Konzern, Industrie und den Standort Deutschland.

Da ist es wohltuend, daß sich manche Dinge nicht zu ändern scheinen. Dazu gehört der Mythos GTI, über 40 Jahre alt und weiterhin jung. VW hat die Modellbezeichnung erfunden, und die Tatsache, daß sich Marken wie Citroën (CX), Peugeot (205 etc.) und Suzuki (Swift) zeitweise dranangehängt haben, tat dem Mythos keinen Abbruch. VW und GTI, das gehört untrennbar zusammen.

Auf den Ur-GTI von 1976 war der Scirocco gefolgt; eine fertigentwickelte GTI-Variante des Passat B1 ging nie in Serie. Heute bietet VW drei GTI-Modelle an: Den Up GTI, den Polo GTI und den Golf GTI. Sie stehen für Fahrspaß und Hochleistung, die im erschwinglichen Rahmen bleiben. Darüber hat VW die R-Modelle positioniert. „GTI- und R-Modelle werden unabhängig entwickelt. Oftmals auch von anderen Teams“, sagt VW. Wir sind die drei GTI-Modelle gefahren:

VW Up GTI

Ob der Up GTI das GTI-Logo überhaupt bekommen sollte, war lange umstritten. Aber es sprach vieles dafür: Die kompakten Dimensionen, das geringe Gewicht, die Nähe zum Ur-GTI in Sachen Leistung. Die Umsetzung ist trotzdem nicht ganz überzeugend: Auf Handlingkurs merkt man das Untersteuern deutlich, und die Elektronik greift stärker als beim Polo und Golf ein, um das Auto neutral zu halten. Der Klang des Dreizylinders ist künstlich verstärkt. Und so ist der Up GTI schöner Einstieg in die GTI-Welt, aber der Sprung vom 90-PS-TSI ist uns etwas zu klein. 85 kW/115 PS, 0-100 km/h in 8,8 sec, 196 km/h, EUR 16 975.

VW Polo GTI

Der Polo ist eigentich ein konventionelleres Auto als der Up, aber die GTI-Variante vollzieht einen deutlichen Sprung nach oben. Mit seinen breiter Rad-Reifen-Kombinationen ist sein Lenkverhalten erheblich präziser und direkter. Die elektronischen Eingriffe sind deutlich sanfter, es wird weniger Geschwindigkeit abgebaut.

Ein Polo GTI mit mechanischer Differentialsperre wäre der perfekte GTI. Und schon im Serienstand ist er deutlich „spitzer“ als Golf oder Up ausgelegt. Ob VW befürchtet, daß einige Golf-GTI-Kunden abspringen, wenn der Polo das mechanisch gesperrte Differential bekommt? 147 kW/200 PS, 0-100 km/h in 6,7 sec, 237 km/h, EUR 23 950.

VW Golf GTI Performance

Der normale GTI ist wegen des WLTP-Zertifizierungs-Chaos derzeit nicht zu haben, die Performance-Variante ist ohnehin interessanter: Mit mechanischer Vorderachs-Sperre agil, ausgewogen und faszinierend. Trotz seiner 45 PS Mehrleistung wirkt dieser GTI allerdings kaum schneller als der Polo GTI. Und auch der Komfort unterscheidet sich weniger als erwartet. 180 kW/245 PS, 0-100 km/h in 6,2 sec, 250 km/h, EUR 32 950.

Unsere Wahl? Betrachtet man die Baureihe, sind sowohl der freche, „produktig“ gezeichnete Up als auch der klassenlose Golf interessanter, anspruchsvoller und vielleicht auch stilvoller als der praktische Polo. Aber bei den GTI-Modellen wendet sich das Blatt. Der sportlichste GTI – und das hat uns überrascht – ist der Polo.


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