Sportliche Autos und Korea? Diese Assoziation liegt nicht unmittelbar auf der Hand. Die ersten Coupés der Marke waren eher Boulevard-Cruiser, immerhin trat man schon im Jahr 2000 in der Rallye-Weltmeisterschaft an. Doch das Gastspiel währte nur drei Jahre. Erst 2014 ist Hyundai in die WRC zurückgekehrt.

Diesen Sommer hat Hyundai einen der damals eingesetzten Hyundai Accent WRC aus der Sammlung geholt und rennfertig gemacht. Der Auftritt beim Eifel Rallye Festival, gemeinsam mit einem i20 WRC von 2014, unterstrich die sportliche Tradition der Marke.

Tatsächlich beweist der Accent WRC von 2003, mit welch hohem Anspruch die Koreaner schon vor anderthalb Jahrzehnten unterwegs waren. Rund 280 PS leistete der 2,0-Liter-Turbo damals, für den Einsatz in der Schottischen Meisterschaft wurde die Leistung des Autos später per Restriktor auf 230 PS begrenzt. Und weil das ganze Auto auf die reduzierte Leistung abgestimmt ist, hat es Hyundai für den heurigen Show-Termin dabei belassen.

Trotzdem ist die Performance höchst beeindruckend – vor allem wenn ein Vollprofi wie der damalige Werksfahrer Armin Schwarz am Steuer sitzt. Das Drehmoment ist schon von unten heraus derart füllig, dass beim Herausbeschleunigen aus der Kurve alle vier Räder durchdrehen. Es ist eine schöne Erfahrung, dass man auch auf einem kleinen Feldweg 180 km/h schnell sein kann – wenngleich man als Amateur den Schotter neben dem Asphalt nicht unbedingt in die Routenwahl miteinbeziehen würde. Die extrem bissigen Bremsen sind übrigens annähernd auf dem Niveau eines aktuellen Rallye-Autos.

Und dennoch ist der Fortschritt spürbar: „Heute ist alles extrem schnell, damals war Bremsen und Beschleunigen etwas langsamer“, sagt Schwarz. Und die Kupplung war im Ansprechverhalten geradezu digital.

Deutlich anders fährt sich der i20 WRC von 2014, der seine 320 PS aus nur 1,6 Litern Hubraum schöpft und deutlich höhere Drehzahlen benötigt. Und die Entwicklung geht weiter: In der kommenden Saison wird mit dem i20 Coupé sogar mit knapp 400 PS gefahren. Größere Spoiler sorgen dabei für Bodenhaftung. Die Kraftübertragung auf alle vier Räder erfolgt hier über ein sequentielles Sechsgang-Getriebe.

Die Bedeutung für die Serie

Der unmittelbare Übergang vom Rallyesport auf die Serie wird durch das aktuelle WRC-Reglement nicht gerade erleichtert; zu klein ist der Marktanteil sportlicher Derivate im Kleinwagensegment, zu dem der Hyundai i20 gehört. Für Endkunden gibt es kein entsprechendes Modell: Die stärkste Version des Hyundai i20 Coupé ist mit einem Dreizylinder-Ottomotor ausgerüstet, der gerade einmal 120 PS leistet.

Dafür geht es ein Segment darüber richtig zur Sache. Entscheidender nächster Schritt bei der Schärfung des sportlichen Profils ist die Präsentation des Hyundai i30 N mit 250 bzw. 275 PS. Und hier befruchten sich Motorsport-Aktivitäten und die Serienentwicklung gegenseitig: Der i30 N ist bereits beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring mitgefahren.

Für die Zukunft hat Hyundai bereits weitere N-Modelle angekündigt. Entwickelt werden sie unter Albert Biermann, Leiter Fahrzeugtest und Hochleistungsentwicklung bei Hyundai. Mit der Rallye-Historie im Rücken und den laufenden Rennsport-Aktivitäten kristallisiert sich das strategische Ziel heraus: Sportliche Autos und Korea dürften in Zukunft perfekt zusammengehen.


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