Die Karriere des G-Modells von Mercedes-Benz ist geradezu sensationell: Vom praktisch reinen Nutzfahrzeug, konzipiert für Streitkräfte und harten Geländeeinsatz, hat sich die Baureihe über nunmehr 38 Jahre hinweg zu einem äußerst erfolgreichen Lifestyle-Modell entwickelt. Jetzt steht ein weiterer Evolutionssprung bevor.

Die ursprüngliche Baureihe 460 spaltete sich schon 1990 in den kaum veränderten 461 und in den deutlich komfortableren 463 auf. Erst vor wenigen Jahren wurde der 461er endgültig eingestellt und durch eine frugale Variante des 463 ersetzt. Dass das neue Modell weiterhin auf die interne Bezeichnung 463 heißt, sollte wohl die Entwicklermannschaft ermahnen, den Geist des Vorgängermodells zu bewahren – und ähnliche Signale nach außen senden.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt und bei der Teilebestellung dürfte das bald für Konfusion sorgen – und man wundert sich über den Wandel des Entwicklungscodes von der technischen Erkennungsmarke zum Motivations- und Marketinginstrument.

Denn das neue Modell repräsentiert den größten Entwicklungssprung seit Einführung der Baureihe: Es ist deutlich breiter als bisher, es verfügt über einen geräumigeren Innenraum und über ein völlig neugestaltetes Interieur. All diese Änderungen sind dringend nötig: Sogar die Fronttriebler sind inzwischen breiter als das G-Modell, die Lenkpräzision lässt zu wünschen übrig, die Straßenlage bei hohem Tempo ist ebenfalls verbesserungswürdig. Und das Interieur ist einigermaßen veraltet.

Einmal runderneuert

Das alles hat die Kunden zwar bis zuletzt kaum gestört – aber dem Anspruch der Marke entspricht es nicht mehr. Zudem gibt es im Segment der Prestige-Geländewagen inzwischen spürbare Konkurrenz: Statt eines hochmotorisierten G-Modells könnte man schließlich auch Bentley Bentayga fahren – oder demnächst einen Lamborghini Urus.

Und so hat sich die Mannschaft um Gunnar Güthenke das G-Modell einmal gründlich vorgenommen und technisch für die nächsten Jahrzehnte vorbereitet. Denn in normalen Modellzyklen wird bei dieser Baureihe nicht gedacht. Es hat sich viel geändert, Basis bleibt jedoch ein klassischer Leiterrahmen: In schwerem Gelände gibt es nichts besseres. An der Vorderachse kommt eine Einzelradaufhängung zum Einsatz, hinten verbaut Daimler eine Starrachse.

Die Karosserie wurde äußerst behutsam modernisiert, dass man es mit einem neuen Modell zu tun hat, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Alle bekannten Stilelemente sind weiterhin vorhanden – von den aufgesetzten vorderen Blinkern über die seitliche Schutzleiste bis hin zur asymmetrischen Abdeckung des Reserverads, bei der es sich sogar um ein Übernahmeteil handelt.

Bei genauem Hinsehen wird allerdings deutlich: Die schärfsten Kanten wurden etwas abgerundet, die Front springt etwas weiter hervor, und die Schutzleisten sind nicht aufgeklebt, sondern wachsen organisch aus der Karosserie heraus. Außerdem ist das Modell um rund 10 cm breiter geworden. Tatsächlich ist kein Blechteil und kein Fenster austauschbar. Gegen Aufpreis gibt es erstmals ein großes Glas-Schiebedach.

Während die Änderungen am Exterieur subtil ausgefallen sind, vollzieht das Interieur einen Sprung nach vorn. Um dort hineinzugelangen, muss man allerdings erst einmal am G-spezifischen Türgriff einen Knopf drücken. Das funktioniert genauso wie beim Vorgängermodell, und die Tür fällt mit dem gewohnt satten „Klack“ ins Schloss. Die Armaturentafel ist neugestaltet: vor dem Fahrer erstreckt sich die aus der E-Klasse bekannte Instrumentierung mit dreidimensionalen Rundinstrumenten oder großem TFT-Bildschirm, der Automatik-Wählhebel ist von der Mittelkonsole auf die Lenksäule gewandert.

Stilmix im Interieur

Eine umlaufende Aluminium-Applikation soll an Scheinwerfer und Frontmaske erinnern, während die Burmester-Lautsprecher wie Frontblinker wirken. Das alles ist zwar hochwertig ausgewirkt, wirkt jedoch ungewöhnlich verspielt – genauso wie das optionale Sportlenkrad, das wie bei einem Rennwagen unten abgeflacht ist. Eine schöne Reminiszenz an den Vorgänger ist hingegen der stabile Haltegriff vor dem Beifahrer. Stoffsitze gibt es nicht mehr.

Für Vortrieb sorgen in bewährter Manier ein drehmomentstarker Sechszylinder-Dieselmotor mit 3,0 Litern Hubraum oder ein klangstarker 4,0-Liter-V8-Biturbo; sie bringen ihre Kraft über einen 9-Gang-Wandlerautomaten auf den Boden. Eine AMG-Version ist fest eingeplant. Denkbar ist auch ein 6,0-Liter-V12, bis zur Einführung einer solchen Variante dürfte allerdings noch einige Zeit verstreichen. Gleiches gilt für ein mögliches Derivat unter der Submarke Mercedes-Maybach.

Ohne Nachfolger bleiben einstweilen auch die hochgelegte Variante 4×4 mit Portalachsen sowie das frugale Modell „Professional“. Für das Militär bietet Daimler weiterhin die Vorgängerversion an; der Sprung auf die aktualisierte Plattform findet statt, wenn sich entsprechende Nachfrage einstellt.

Eine Ikone wie das G-Modell neu aufzulegen, ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Mercedes-Benz, soviel ist schon jetzt klar, ist das Unterfangen gelungen. Das neue Modell wird auf der Automesse in Detroit vorgestellt, die Auslieferungen beginnen im Sommer 2018.


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QuelleDaimler
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