Das beste aus zwei Welten sei der Plug-In-Hybrid, so wird uns erzählt: Emissionsfrei und elektrisch durch die Stadt gleiten, mit sparsamem Downsizing-Motor über die Lande fahren, den elektrischen Rückenwind auf Abruf bereit. Natürlich auf Basis eines Ottomotors, weil der Diesel die Gunst fortschrittlicher Kreise verloren hat. Auf ein paar Liter Mehrverbrauch im Verbrenner-Modus kommt es da nicht an.

Denn der eingebaute Elektromotor senkt den Verbrauch ja ohnehin auf ein sensationell niedriges Niveau, wenn man den offiziellen Angaben Glauben schenken darf: Pro 100 Kilometer werden angeblich nur 2,5 Liter Sprit in die Brennkammern injiziert. Das sind 59 Gramm des „Klimagases“ CO2 pro Kilometer. Von der EU, die nur unser bestes will und sich Messzyklen für diverse Geräte ausgedacht hat, gibt’s dafür ein dickes „A+“. Das müssen Glotze und Geschirrspüler erst einmal schaffen.

Mercedes-Benz GLC 350e

Wenn es jemand schafft, eine neue Technologie perfekt zu integrieren, dann ist es Mercedes-Benz – und deshalb haben wir im amerikanischen Nordwesten eine Woche und 1600 Kilometer im Mercedes-Benz GLC 350e verbracht. Unter der Haube steckt ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit 155 kW/211 PS, im Getriebe sitzt ein 85 kW/115 PS starker Elektromotor. Das Ergebnis lässt Autoliebhaber mit der Zunge schnalzen: Satte 235 kW/320 PS werden so erzeugt, das maximale Drehmoment liegt bei 560 Nm. Handelt es sich etwa um einen Sportwagen im SUV-Gewand?

Das wäre für unsere Tour gar nicht nötig, denn in Portland, dem Ausgangspunkt dieser Reise, lässt man es gerne etwas langsamer, dafür jedoch umweltbewusster angehen. Hier fährt man Toyota Prius oder Subaru, präsentiert sich mit Hipsterbart und Holzfäller-Look und konsumiert dazu fair gehandelten Kaffee aus der Rösterei Starbucks, die hier ihre ersten Erfolge feierte.

Mercedes-Benz GLC 350e

Bevor es losgehen kann, gilt es jedoch zunächst, die mitgeführten Taschen in den Gepäckraum zu wuchten. 550 Liter fasst das Abteil im normalen GLC, doch die Hybridtechnik braucht Raum. „Der Ladeboden ist nur um ein Drittelzoll angehoben“, behauptet der US-Verkaufsprospekt. Das sind 8 Millimeter; wer wollte da meckern? Uns scheinen es jedoch deutlich mehr zu sein, Zahlen sind auf Anhieb nicht zu finden. Dafür entdecken wir in einer Pressemappe der Coupé-Version dieser Baureihe die Angabe, dass der Gepäckraum der Hybrid-Variante von dort 500 auf 336 Liter schrumpft. So ähnlich dürfte es sich auch bei der Standard-Karosserie verhalten.

23 Kilometer elektrischer Reichweite zeigt die Instrumentierung an; die kurze Etappe in die Vorstadt Beaverton lässt sich damit nicht absolvieren. Tatsächlich ist schon nach rund 15 Kilometern Schluss. Der Akku entleert sich im Rekordtempo, übrigens auch im Hybrid-Modus, wenn der E-Motor nur punktuell eingesetzt wird. In den Fahrmodi Comfort und Eco (es gibt auch noch Sport und Sport+) kann neben dem effizienzoptimierten Hybrid-Modus und dem rein elektrischen Fahren auch noch ein Modus gewählt werden, in dem der Ladezustand gehalten wird – und ein Modus, in dem die Batterie wieder hochgeladen wird.

Mercedes-Benz GLC 350e

Dem Spritverbrauch ist es abträglich, wenn der Verbrenner derart als Generator genutzt wird. Wir haben es trotzdem ein paarmal getan. Dieses finanzielle Opfer hat die Luftqualität in den von uns besuchten Ortskernen verbessert, ihnen die Emissionen des hochmodernen Verbrennungsmotors erspart.

Enttäuschender Antriebskomfort

Abgesehen davon verliert das lautlose Fahren im E-Modus übrigens schnell seinen Reiz, weil auch der Vierzylinder-Ottomotor im Stadtverkehr kaum hörbar ist. Das so andersartige, angeblich geradezu süchtig machende Fahrerlebnis in einem Elektroauto wird schnell zur Normalität. Die Entwöhnung beim Umstieg in ein konventionell angetriebenes Auto fällt allerdings mindestens ebenso leicht, zumal das Zusammenspiel der Antriebsformen im GLC 350e keineswegs perfekt ist. Das Getriebe nimmt sich reichlich Zeit, um aus der Neutralstellung in den Vorwärts- oder Rückwärtsgang zu schalten; die Schaltmanöver sind teils alarmierend ruppig. Da ist es zu begrüßen, dass die Hybrid-Version der einzige GLC mit sieben Gängen ist und sich die Zahl der Schaltvorgänge damit etwas reduziert. Alle anderen GLC-Modelle sind mit einer Neungang-Automatik ausgerüstet.

Mercedes-Benz GLC 350e

Von den 320 PS ist übrigens nicht viel zu spüren. Auf dem Papier steht der Spurt von 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden (die US-Version ist mit 6,2 Sekunden für 0 auf 96 km/h angegeben), die Spitze soll bei 235 km/h liegen. Doch dafür braucht das Auto großen Anlauf. Auf der Straße wirkt der GLC 350e wenig agil. Für den überraschend schwerfälligen Eindruck dürfte das hohe Gewicht verantwortlich sein: Mit 2025 Kilogramm Leergewicht übertrifft der Hybrid alle anderen GLC-Versionen – sogar die AMG-Spitzenmodelle mit ihrem V8-Biturbo-Motor.

Auch auf kurvigen Straßen bereitet dieser Hybrid wenig Freude: Die Lenkung agiert gefühllos und verhärtet bisweilen unvermittelt, das Bremsgefühl ist gummiartig und liefert zu wenig Rückmeldung. Ein Offroad-Künstler ist er auch nicht: Auf losem Untergrund ist die Traktion lediglich durchschnittlich. Das Fahrerlebnis ist besonders enttäuschend, weil die konventionell angetriebenen GLC-Modelle zu den am besten abgestimmten und fahraktivsten Modellen in ihrem Segment gehören. Übrigens kann der Hybrid trotz seines drehmomentstarken Antriebs nur 2000 Kilogramm Anhängelast ziehen. Weniger als jeder andere GLC.

Erstaunliches Trinkgebaren

Und noch in einem weiteren Punkt gewährt GLC 350e Einblick in eine möglicherweise bevorstehende elektrischen Zukunft: Er liefert einen Vorgeschmack auf das Phänomen der „Range Anxiety“, auf die Sorge, es ohne Nachladen nicht mehr zum Ziel zu schaffen. Wir haben selten eine derart geringe Reichweite erlebt wie bei diesem Hybrid, der über einen Tankinhalt von nur 50 Litern verfügt. Nach Abschluss der Testfahrten haben wir einen Verbrauch von exakt 10 Litern pro 100 Kilometer ermittelt. Das ist ein exorbitant hoher Wert in Anbetracht der langen Etappen, die – bedingt durch strikte Tempolimits – mit relativ niedrigen Geschwindigkeiten absolviert wurden.

Mercedes-Benz GLC 350e

Ein derartiger Appetit würde auch in den nicht hybridisierten Varianten des GLC als Ärgernis gewertet, und man kann nur erahnen, welchen Konsum man sich mit diesem Plug-In-Hybrid auf deutschen Autobahnen eingehandelt hätte, wo jede Lücke für Zwischenspurts genutzt wird und der Verkehr auf der linken Spur häufig mit 160-180 km/h und mehr fließt. Immerhin kann der Wagen an der Tankstelle rasch wieder aufgetankt werden, wenngleich es laut Betriebsanleitung bis zu 15 enervierende Minuten dauern kann, bis wegen des erforderlichen Druckausgleichs die Tankklappe geöffnet werden kann. Bei uns dauerte es rund eine Minute – lange genug.

Doch das ist immer noch schneller als das Laden per Steckdose. Es dauerte mehrere Stunden, bis am letzten Testtag am Hotel auf Hayden Island die Batterien wieder vollgeladen waren. Es hätte gerade einmal bis zum 15 Kilometer entfernten Flughafen gereicht.

Mercedes-Benz GLC 350e

Und so kann nach einer Woche mit dem Plug-In-Hybrid nur eine zweifelhafte Bilanz gezogen werden. Empfehlen kann man diesen teuren SUV eigentlich nur für den ausgesprochenen Kurzstreckeneinsatz, und zwar dann, wenn man er regelmäßig ans Stromnetz angeschlossen wird. Auf längeren Etappen verwandelt sich der Hybrid-Bonus hingegen in einen gravierenden Malus. Mit den konventionellen Otto- und Dieselmotoren gilt hingegen weiterhin: Der schöne, sportliche und sauber verarbeitete GLC ist das vielleicht beste Angebot in seiner Klasse.

Daten Mercedes-Benz GLC 350e

Länge/Breite/Höhe 476/189/164 cm – Allradantrieb auf Hinterradantriebs-Architektur – Plug-In-Hybridantrieb mit 2,0-Liter-Reihen-Vierzylinder-Turbo und Elektromotor – 7-Stufen-Automatik – 235 kW/320 PS – 560 Nm – Vmax 235 km/h – 0-100 km/h in 5,9 s – Zyklusverbrauch 2,5/100 km – 53 110 Euro.


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