Den Großen Sklavensee kennt man eigentlich nur aus dem Erdkunde-Unterricht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Landschaft einmal persönlich erlebe. Aber Porsche ruft – zur Prototypen-Erprobung des neuen Cayenne, intern E3 genannt. Ich starte in Seattle, fliege über Calgary und komme abends in Yellowknife an. Ein nennenswertes Nachtleben gbt es hier nicht, dafür ordentliche Restaurants. Die Ingenieure sind schon da.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Morgens: Die Cayenne-Prototypen sind sorgfältig zugedeckt. Aber nicht, damit sie es schön gemütlich haben. Sondern, um sie vor neugierigen Blicken und den allgegenwärtigen Handy-Kameras zu schützen. Dass ein neuer Cayenne kommt, ist zwar kein Geheimnis, doch Details will Porsche noch nicht unbedingt preisgeben.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Fürs Foto will das Thermometer partout nicht unter die minus 40 Grad fallen – doch keine Sorge: Nachts wird es noch kälter. Beste Voraussetzungen, um den nächsten Cayenne auf Herz und Nieren zu prüfen. Schließlich soll er nicht nur bei Schönwetter funktionieren.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Direkt am Morgen geht es über einen zugefrorenen Seitenarm des Großen Sklavensees nach Nordosten. Der Weg ist gar nicht so leicht zu finden, und ein Cayenne bleibt erst einmal stecken. Kaum freigekommen, müssen wir eine einheimische Autofahrerin aus einer Schneewehe ziehen. Solidarität wird großgeschrieben: Wer in der klirrenden Kälte liegenbleibt und das Auto nicht mehr heizen kann, gerät rasch in Lebensgefahr.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Jetzt geht es auf eine freigeräumte Piste auf einem der vielen zugefrorenen Seen. Hier sind ab und zu Schwerlastwagen und Räumfahrzeuge unterwegs. Aber meistens ist bis zum Horizont niemand anders zu sehen.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Der Konvoi bewegt sich in einsamere Gefilde, die Testingenieure spitzen die Ohren und achten auf jede Vibration. Der neue Cayenne ist deutlich leichter als das bisherige Modell: Er steht auf der von Audi entwickelten MLB-Evo-Plattform. Auch die Motoren entstammen der Kooperation mit Audi. Die feinnervigen V6-Motoren (3,0-Liter-Turbo mit 340 PS und 2,9-Liter-Biturbo mit 440 PS) klingen seidenweich, der 550 PS starke 4,0-Liter-V8-Biturbo profiliert sich mit einem dunklen Bass von adäquater Schwärze.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Wir können bestätigen: Der Cayenne ist ein talentierter Drifter. Sein per Lamellenkupplung gesteuerter Allradantrieb ist zu 100 Prozent variabel, aber die per Software hinterlegte Charakteristik ist heckbetont. Das Übersteuern lässt sich per Gaspedal sauber halten.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Und auch im Tiefschnee pflügt der Stuttgarter SUV unverdrossen voran. Im Offroad-Menü kann der Antrieb auf die unterschiedlichsten Bodenbeschaffenheiten angepasst werden. Grundregel: Keinen Schwung verlieren!

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Wer es zu weit treibt, wird wieder herausgezogen. Auch darauf ist die Mannschaft vorbereitet. Und weiter geht’s.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Zurück auf reguläre Straßen. Die Fahrt wird wieder eintönig. Zeit, um über künftige Varianten des Cayenne nachzudenken. Porsche will Plug-In-Hybride bringen, auf Basis der V6- und V8-Biturbo-Modelle. Aber es dürfte auch wieder Dieselvarianten geben: einen V6 und einen V8. Und das ist sehr gut so, denn moderne Dieselmotoren sind extrem sauber und sparsam. Und sie machen mehr Spaß als jeder Hybrid.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Stilistisch hat sich der Cayenne nicht weit vom Vorgänger entfernt. Aber die Raumausnutzung ist besser, die Proportionen sind schärfer. Am Heck ist es ein breites Leuchtenband montiert – wie der Reflektor beim 911er der G-Serie. Das neue Heck versteckt sich hier noch unter Attrappen.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Abendstimmung in der Nähe des Hotels. Tourismus gibt es hier auch; vor allem Chinesen fliegen ein, um das Nordlicht zu erleben. Heute zieht sich der Polarhimmel wieder zu, und wir lassen den Tag beim Abendessen gemeinsam Revue passieren. Ein paar Hausaufgaben nehmen die Ingenieure mit nach Hause. So wird die Heckscheibenheizung nochmals optimiert – und die elektrischen Lamellen am Kühlergrill: sie dürfen nicht einfrieren. Es könnte ja sein, dass auch ein Kunde auf die Idee kommt, seinen Cayenne bei minus 20 Grad mit Wasser abzuspritzen.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Ein paar Monate später: Letzte Testfahrten in Spanien. Die Temperaturen sind hoch, das Anforderungsprofil nicht weniger anspruchsvoll. Einige Autos gehören bereits zur Nullserie, sind also nicht mehr händisch zusammengefügt, sondern schon im Werk Preßburg vom Band gelaufen.

Porsche Cayenne Prototyp GTspirit

Weltpremiere ist am 30. August in Stuttgart. Dann fallen die Hüllen – und im SUV-Segment gibt es eine neue Messlatte.


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QuellePorsche
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