Es war durchaus eine Überraschung, als Peter W. Schutz im Januar 1981 das Szepter bei Porsche übernahm: Die Familie des gebürtigen Berliners war ausgewandert, als er noch ein Kind war, und lebte seit 1941 in Chicago. Als Amerikaner startete der Ingenieur seine Karriere bei Caterpillar und Cummins, bevor er 1978 zu Klöckner-Humboldt-Deutz und schließlich zu Porsche wechselte.

Die Firma war in schweres Fahrwasser geraten: 1980 hatte man zum ersten Mal Verluste geschrieben, und die Moral der Mitarbeiter war am Tiefpunkt – denn die Einstellung des 911 war beschlossene Sache. Obendrein hatte man sich in den Kopf gesetzt, die 24 Stunden von Le Mans mit 924er-Modellen zu bestreiten, ohne jede Aussicht auf Erfolg.

In seiner dritten Woche als Porsche-Chef stieß Schutz die längst gefällte Entscheidung, den 911 noch im gleichen Jahr einzustellen, um. Er beschrieb den denkwürdigen Tag später im US-Magazin Road and Track: Auf einer Tafel im Büro von Entwicklungschef Helmuth Bott, so Schutz, waren drei Linien eingezeichnet, die den 911, den 928 und den 944 zeigten; die Linie für den 911 endete 1981. „Ich nahm einen Marker vom Schreibtisch von Professor Bott, zog die Linie für den 911 über die gesamte Tafel, weiter über die Wand und zur Tür hinaus,“ erzählte Schutz: „Als ich zurückkam, grinste Bott. ‚Verstehen wir uns?‘ fragte ich ihn. Und das taten wir mit einem Nicken.“

Was die Le-Mans-Pläne betraf, agierte Schutz ebenso entschieden: Er ließ einige Rennwagen des Typs 936 aus dem Museum holen und mit neuen Maschinen bestücken, anstatt die chancenlosen 924er ins Rennen zu schicken. Porsche holte den Sieg.

Schutz initiierte den 959

Schutz trieb die Entwicklung des 911 mit immer neuen Varianten voran; die wichtigste von ihnen war das Cabriolet, mit dem das Sortiment um eine dritte Karosserieform ergänzt wurde. Und der binnen kürzester Zeit ausverkaufte Supersportwagen 959 diente unter anderem der Überprüfung von Aufladetechnik, Fahrwerkssystemen und elektronisch gesteuertem Allradantrieb. Auch den Transaxle-Sportwagen ließ er Pflege angedeihen – unter anderem mit dem Facelift-Modell 928 S4 und dem 944 Turbo.

Schutz verdreifachte die Verkäufe und führte Porsche wieder in die Profitabilität zurück, richtete die Absatzplanung allerdings stark an den USA aus. Als die Verkaufszahlen 1987 wegen der dortigen Wirtschaftskrise abstürzten, verließ er das Unternehmen. Der vielfach ausgezeichnete Manager machte sich selbständig und war bis zuletzt als Redner und Unternehmensberater gefragt. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.


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QuellePorsche
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