Kaum ein Hersteller kommt noch ohne Hybrid-Antriebe aus; die Kombination von Verbrenner und Elektromotor gilt als Brückentechnologie, die den Weg zur reinen E-Mobilität bahnen soll. Es ist wenig bekannt, dass schon vor einem Vierteljahrhundert ein Transporter in Serie ging, der die aktuelle Entwicklung präzise vorwegnahm.

el-di-car number one

Der Unternehmer Peter Waskönig hatte damals einen völlig eigenständigen Transporter im Format eines VW-Bus konstruieren lassen, der mit einem 16 PS starken 96-Volt-Gleichstrom-Motor und einem 31 PS starken 1,4-Liter-Dieselmotor ausgerüstet war. Als Stromspeicher des el-di-car number one fungierten acht Blei-Säure-Batterien; die Reichweite lag rein elektrisch bei 75 Kilometern, im Dieselbetrieb bei 1000 Kilometern; der Dieselmotor konnte auch zum Aufladen der Batterien eingesetzt werden. Der Kaufpreis lag 1993 bei 89 000 D-Mark.

el-di-car number one

1997 legte el-di-car den number two nach, der nunmehr auf dem Peugeot Boxer basierte und mit seinem 85 PS starken Dieselmotor deutlich bessere Fahrleistungen ermöglichte. Für den E-Betrieb wurde bei diesem Modell an der Hinterachse ein Drehstrom-Motor mit 27 PS Dauerleistung und 46 PS Spitzenleistung verbaut. Das Gewicht stieg gegenüber dem Ausgangsmodell inklusive Batterien um 700 Kilogramm.

el-di-car number wo

Im „autosalon 50 – autoparade“ erschien damals ein Fahrbericht, in dem dieser Autor notierte: „Im Diesel-Betriebsmodus ergeben sich keine Änderungen gegenüber dem gewohnten Fahren. Einzigartig ist dagegen das Fahrerlebnis im Elektrobetrieb. Die am itap-Institut der Universität Oldenburg entwickelte Getriebesteuerung kuppelt automatisch ein, und fast lautlos setzt sich der Kombi in Bewegung. Das maximale Anfahrdrehmoment von 132 Nm ermöglicht – falls gewünscht – zügige Ampelstarts. Mit sanftem Nachdruck schieben maximal 46 PS an, bis die Fahrwiderstände bei knapp 80 km/h zum Ausgleich gelangen – allerdings nur zwei Minuten lang, dann wird fast unmerklich auf die Dauerleistung von 27 PS zurückgeregelt. Auch das reicht aus, um im Stadtverkehr mühelos und emissionsfrei mitzuhalten.“

el-di-car number two

Die Umschaltung von Diesel- zu Elektrobetrieb erfolgte per Knopfdruck und war auch während der Fahrt möglich, und beim number two wurden die Blei-Gel-Akkumulatoren im Diesel- sowie im Schiebebetrieb wieder aufgeladen. Bei den Fahrtests überzeugte der Hybrid-Transporter damals mit einem hohen Perfektionsgrad.

Die Stückzahlen blieben niedrig

Waskönig schätzte das Marktpotential in Deutschland damals auf 1000 Einheiten, letztlich verließen jedoch lediglich 28 Einheiten die Werkshallen im niedersächsischen Ramsloh – in Rufweite der Waskönig+Walter-Kabelwerke, die seit den 90er-Jahren von seinen Söhnen Jörg und Michael geführt werden und heute 550 Mitarbeiter beschäftigen.

Peter Waskönig

Peter Waskönig wandte sich anderen Projekten zu; der passionierte Segler und Autosammler war Vorsitzender der bedeutenden Universitätsgesellschaft Oldenburg und der Wirtschaftsvereinigung „Der kleine Kreis“, er initiierte das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg und gründete eine Stiftung zur Förderung außergewöhnlich begabter Studenten. Seine automobile Vision ist unterdessen auf den Straßen zur Realität geworden. Letzte Woche ist Peter Waskönig im Alter von 85 Jahren gestorben.


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