Die Überraschung war groß, als potentielle Kunden gebeten wurden, die neue Limousine mit den abgeklebten Logos in Augenschein zu nehmen und die Marke zu erraten: Die Passanten tippten auf Premium-Hersteller. Dann wurde das Geheimnis gelüftet: Es ist der neue Peugeot 508. Die Anekdote, die Peugeot-Deutschland-Chef Steffen Raschig auf der internationalen Fahrpräsentation in Monaco vorträgt, belegt, welchen Sprung die Franzosen vollziehen wollen.

Dabei müssen sie sich mit ihrer Limousinen-Historie gar nicht verstecken. Auf den rundlichen 403 der 50er-Jahre folgte 1960 der von Pininfarina in eleganter Trapezform gezeichnete 404, der sich seinerzeit einen Namen als besonders schnelle Limousine machte. 504 und 505 pflegten eine konservativ-zurückhaltende Linie, der nachfolgende 405 war kompakter und der 406 gewann nicht nur mit seinem seidigen V6-Motor, sondern auch mit einer bildschönen Coupé-Variante Freunde. Mit dem gewagt gezeichneten 407 wendete sich Peugeot dann vom Hausdesigner Pininfarina ab; der 2011 gezeigte 508 wirkte dann gegenüber dem 407 betulich und gesichtslos – und mußte zudem auf die V6-Option verzichten.

Die Modellbezeichnungen hat Peugeot eingefroren, doch der neue 508 – da haben die Befragten recht – ist auf Anhieb ein völlig anderes Auto. Der Viertürer verfügt nun trotz Stufenheck über eine große Heckklappe, und er wirkt ungemein sportlich. Dazu tragen nicht nur die gelungenen Proportionen bei, sondern auch seine rahmenlosen Scheiben und die aggressive Leuchtengraphik vorn und hinten. Wie Fänge wirken die LED-Tagfahrleuchten.

Flach und aggressiv

Tatsächlich ist der 508 dem Genre der „viertürigen Coupés“ zuzuordnen. Er wirkt kaum größer als ein Mercedes-Benz CLA und deutlich kleiner als ein Volkswagen Arteon. Und dieser Eindruck stellt sich auch im Innenraum ein: Die Platzverhältnisse sind komfortabel, aber keineswegs verschwenderisch, und die futuristische Formensprache der Armaturentafel und Mittelkonsole würde mehr Raum benötigen, um sich überzeugend zu entfalten. Trotzdem: Der 508 besitzt das schönste Cockpit im Segment.

Die bei den Spitzenmodellen verbaute elektronische Instrumentierung bietet übrigens auch eine Darstellung von Tacho und Drehzahlmesser in Form von Walzen – eine schöne Reminiszenz an die französische Automobilgeschichte. Doch es gäbe Raum für Verbesserungen: Die Materialien an Cockpit und Türverkleidungen wirken teils nicht sehr hochwertig, das Navigationssystem enttäuscht mit kleinem Zentralbildschirm und schwacher Routenführung.

Eine Handschaltung bietet Peugeot nur noch beim Einstiegs-Diesel mit 130 PS an; wir sind den Spitzen-Benziner mit 225 PS und den stärksten Diesel mit 180 PS gefahren, die beide mit einem Achtstufen-Wandlerautomaten aufwarten. Außerdem gibt es noch einen 160-PS-Diesel sowie einen 180-PS-Ottomotor.

Der 180-PS-Diesel mit 400 Nm Drehmoment präsentiert sich als Ideal-Motorisierung für den 508; der Zweiliter-Selbstzünder geht leiser und vibrationsärmer ans Werk als die Vierzylinder-Aggregate, die wir bei Volkswagen und Mercedes-Benz jüngst testen konnten, und er liefert eindrucksvolle Fahrleistungen: Von 0 auf 100 km/h in 8,3 Sekunden, 235 km/h Spitze.

Der Ottomotor bringt keine Vorteile

Der Spitzen-Benziner, der seine 225 PS und 300 Nm Maximal-Drehmoment aus nur 1,6 Litern Hubraum holt, kann es auf dem Papier noch besser: Er spurtet in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und schafft glatte 250 km/h Spitze. In der Praxis wirkt der Ottomotor jedoch etwas weniger leichtfüßig als der Diesel, und sein Verbrauch liegt mit 5,7 l/100 km deutlich höher. Der 180-PS-Diesel kommt mit einem glatten Liter weniger aus, in der Praxis dürfte das Delta noch höher liegen.

Ein bißchen überrascht hat uns, daß der Fahrmodus-Schalter keine Auswirkungen auf den Motorklang hat. Dafür sind die verschiedenen Einstellungen beim Fahrwerk gut spürbar. Es bietet übrigens insgesamt einen hervorragenden Kompromiß aus Komfort und Fahrstabilität. Das tief angeordnete, kompakte und abgeflachte Zweispeichen-Lenkrad verstärkt den Eindruck Go-Kart-ähnlicher Kurveneigenschaften.

Neben die 508 Limousine tritt im Herbst der nicht minder elegante Kombi, der leider nicht mehr auf die klassische französische Bezeichnung „Break“, sondern auf die Abkürzung „SW“ hört, was für Stationswagen bzw. „Station Wagon“ steht. Die Preise dürften bei knapp über 30 000 Euro beginnen und bis über 45 000 Euro reichen. Nächstes Jahr wird übrigens auch ein Plug-In-Hybrid nachgereicht. Doch der wird an unserer Empfehlung nichts ändern: Der beste 508, der stolzen Peugeot-Historie würdig, ist ein Diesel.


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QuellePeugeot
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