In diesen Tagen stehen die Telefone aller 87 Porsche-Zentren von Kiel bis Garmisch nicht mehr still. Die zahlungskräftige Porsche 911-Fangemeinde ist alle sieben Jahre besonders aufgeregt, wenn das Ende der aktuellen Baureihe zeitnah ansteht. Die 911er mit dem internen Werkskürzel 991 werden nämlich nur noch für rund 12 Monate gebaut, dann kommen die neuen Modelle namens 992.

In den Jahren 2009/2010 gab es bereits das gleiche Spiel, zum Ende der Baureihe 997. Da gab es dann sage und schreibe 23 verschiedene Elfer im Programm. Das Sondermodell „Sport Classic“ war auf nur 250 Stück limitiert, hatte 408 PS und einen Entenbürzel, der an den legendären Carrera RS 2.7 von 1973 erinnerte.

Dazu kamen noch ein GT2 RS mit 620 PS (500 Exemplare), sowie den hochgezüchteten GT3 RS 4.0 (600 Stück) und einen Speedster (356 Einheiten). Aber nicht nur Liebhaber schnappten sich die begehrten Sportwagen. Dank der nahezu garantierten Wertsteigerung um das zwei- bis dreifache, tummelten sich zahlreiche Spekulanten in den PZs, um sich ein saftiges Stück vom abgezählten Kuchen abzuschneiden.

Das berühmte Festival of Speed in Goodwood, 100 Kilometer südwestlich von London gelegen, ist der ideale Ort, um die aktuelle Stimmung auf dem Supersportwagen-Markt zu testen. Dachte sich auch Porsche und zündet auf der Rennstrecke des Sportwagen-verrückten Lord March das vorletzte 991-Feuerwerk mit zwei Weltpremieren.

Zwei streng limitierte Sondermodelle

Mit im Gepäck der Stuttgarter befinden sich erneut zwei äußerst begehrte und leistungsstarke Modelle, die ebenfalls streng limitiert sind. Zum einen der Turbo S Exclusive Series mit 607 PS und einer Stückzahlbegrenzung von 500 Einheiten zum sportlichen Preis von 259.992 Euro plus diverser Extras. Und zum anderen der stärkste und schnellste 911er aller Zeiten: Der GT2 RS mit satten 700 Pferdchen und der Heckklappe für schlappe 285.220 Euro, und ja , wirklich auch mit gültiger Straßenzulassung! Für den eigentlich waffenscheinpflichtigen Supersportler ist die Limitierung nicht nach einzelnen Einheiten vorgesehen, sondern nach rund einem Jahr Bauzeit, also irgendetwas zwischen 1.000 und 2.000 Stück, beendet.

Ein Muss für das 1.470-Kilo-Leichtgewicht mit dem surfbrettgroßen Heckspoiler ist das knapp 30.000 Euro teure Weissach-Paket (benannt nach dem Porsche-Entwicklungszentrum), das für eine weitere Gewichtsersparnis von rund 30 Kilogramm sorgt. Sichtkarbon an Dach und Kofferraum, sowie Magnesium-Räder verursachen Pfützchen auf den Zungen der verliebten 911-Fans. Und das bessert sich beim Studieren der technischen Daten erst recht nicht: Das Leistungsgewicht des Hecktrieblers mit der Allradlenkung wurde nah an die magische Grenze von zwei Kilogramm pro Pferdestärke gedrückt, genau 2,1 kg/PS.

So gelingt der Standard-Sprint von null auf 100 km/h in nur 2,8 Sekunden, drei Sekunden später sind bereits 160 km/h erreicht und nach insgesamt atemberaubend kleinen 8,3 Sekunden steht der Zeiger schon auf Tempo 200. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rekordverdächtigen 340 km/h. „Ein richtiges Biest“, flüstert uns der Ex-Formel-1-Pilot und jetzige Porsche-Repräsentant Mark Webber zu.

Der Clou für die Zusatz-Power beim stärksten Biturbo-Boxer: Damit die riesigen Ladeluftkühler nicht heiß laufen und stets die volle Leistung bringen können, werden sie bei Bedarf mit Wasser besprüht und so zusätzlich gekühlt. Leider haben wir hier nur ein komplett von Hand gefertigtes Vorserienmodell vor uns, erst im Oktober 2017 können die ersten auserwählten Kunden ihr Supergeschoss in Empfang nehmen.

Aber da ist ja noch der Turbo S Exclusive Series in der Sondertönung goldgelbmetallic. Gewöhnungsbedürftig, aber hochwertig, da aufwendig lackiert, weil zigfach von Hand aufgetragen. Und wie fährt sich dieses extravagante Geschoss? Der Blick auf den großen, mittig angeordneten, Drehzahlmesser verspricht höhere Drehzahlen, als bei den normalen Turbo-Elfern, die bereits bei 6500 Umdrehungen dicht machen. Der rote Drehzahlbereich beginnt beim Turbo S Exclusive erst bei 7000 Umdrehungen, maximal sind gar 7200 Touren drin.

Wir starten das 607-PS-Triebwerk traditionell mit der linken Hand und schon bei kleinen, spielerischen Gasstößen tönt es beachtlich aus den vier runden Endrohren. Allerdings gezähmter, als bei den schwächer motorisierten Saugern GT3 und GT3 RS. Während der brachialen Beschleunigung aus dem Stand fühlt man sich wie ein Jetpilot, so sehr presst einen der Schub in die rennsportlichen Ledersitze.

Keine 3 Sekunden von 0 auf 100

Hier sind es mit der Launch-Control knackige 2,9 Sekunden bis auf Tempo 100 Sachen und 9,6 Sekunden bis 200. Jede der schnellgefahrenen Kurven nimmt der Allradler wie auf Schienen und wohliges Gänsehautfeeling durchdringt den Oberkörper. Sollte der zuckende Gasfuß doch einmal zu früh aus der Kurve herausbeschleunigen, retten einen die zahlreichen elektronischen Fahrsicherheits-Helferlein. Kurzum: Fahrspaß ohne Ende.

Das finale 991-Feuerwerk böllert dann bis zum Sommer 2018, turbofrei mit den besonders geschätzten Saugmotoren. Ein facegelifteter GT3 RS mit noch nie dagewesenen 4,2 Litern Hubraum steht in den Startlöchern, ebenso die sehnlichst erwartete GT3-Touring-Variante.

Als krönenden Abschluss könnte sich Porsche-Chef Oliver Blume ein Jubiläumsmodell zum 70. Jahrestag des ersten Porsche Sportwagens im Juni 2018 vorstellen. Na klar, auch nur in begrenzter Stückzahl. Am 8. Juni 1948 erfolgte die Zulassung des legendären 356-Prototyps mit der Fahrgestellnummer 356-001. Der Grundstein für den erfolgreichsten Sportwagenhersteller war gelegt.

QuellePorsche
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