Super-sparsam, zuverlässig, perfekt für die Stadt: Mit dem Prius hat Toyota den Hybridantrieb massentauglich gemacht und sich in den Köpfen als besonders nachhaltige Marke etabliert. Fürs Umwelt-Image ist man sich nicht einmal zu schade, die umstrittene „Deutschen Umwelthilfe“, die bundesweite Diesel-Fahrverbote durchsetzen will und sowohl tatsächliche als auch vermeintliche Abgas-Betrügereien untersucht hat, mit Spendengeldern zu bedenken. Und im Heimatland Japan gehört Toyota nicht nur beim Hybridantrieb, sondern auch bei der Brennstoffzelle zu den Vorreitern. So weit, so grün.

Da überrascht es umso mehr, dass der Report „Light-Duty Vehicle CO2 and Fuel Economy Trends“, den die US-Umweltbehörde EPA alljährlich erstellt, jetzt ein ganz anderes Bild zeichnet: Toyota landet gerade mal auf Rang acht – einen Platz hinter BMW und einen Platz vor Mercedes. Wie kann das sein, wo man doch in den USA – gerade in Kalifornien – den Prius an jeder Ecke sieht?

Toyota Sequoia

Ganz einfach: Der EPA-Report bewertet Verbrauch und die CO2-Emissionen der Hersteller – und welche Verbesserungen erreicht wurden. Die Fahrzeuge werden dabei in einem besonders realitätsnahen Messzyklus gefahren, aufgrund dessen dann die Durchschnittswerte anhand der tatsächlichen Verkaufszahlen der Fahrzeuge berechnet werden. So entsteht ein ziemlich realistisches Abbild. Dabei geht es um Benzin- und Dieselverbrauch; Elektroautos werden in der Rangliste nicht erfasst, selbst wenn ihr CO2-Ausstoß gerne mit Null angesetzt wird. Deswegen sucht man Tesla vergebens in der Liste.

Entscheidend ist neben dem CO2-Ausstoß der MPG-Wert, was steht für Meilen (eine Meile = 1,6 km) pro Gallone (eine Gallone = 3,79 Liter) steht. So wird in den USA der Verbrauch eines Autos angegeben. Dabei gilt die Korrelation: Je höher der MPG-Wert, also je mehr Meilen man mit einer Gallone schafft, desto besser. Sieger im EPA-Report ist die Marke Mazda mit einem MPG-Wert von 29,6. Das entspricht einem Durchschnitt von 7,9 Litern auf 100 Kilometern. Rang zwei geht an Hyundai, Rang drei an Honda. Die deutschen Hersteller schneiden eher dürftig ab: BMW ist auf Rang sieben noch am sparsamsten. Bester amerikanischer Hersteller ist Ford auf Rang zehn. Der gesamte Durchschnitt aller Hersteller liegt bei 24,6 MPG.

Mazda CX-5

In den USA sind Strafzahlungen fällig, wenn Verbrauchsangaben nicht stimmen: So mussten schon Mini, Ford oder Hyundai für irreführende Verbrauchswerte blechen. Wohl auch deshalb hat sich Hyundai besonders angestrengt und verzeichnet in der aktuellen Hitliste mit plus 1,3 Prozent den größten Anstieg bei der Verbrauchseffizienz.

Entscheidend ist allerdings die Modellpalette. Und die sieht bei Toyota in den USA völlig anders aus als in Europa oder Japan. Natürlich gibt es den Prius, er ist in den USA auch ein Bestseller. Aber noch viel mehr lebt Toyota von großen Limousinen wie dem Camry oder dem gerade auf der Detroit Auto Show vorgestellten Avalon, von Pickups wie dem Tundra oder dem kleineren Tacoma sowie von großen SUV wie dem Highlander, dem 4Runner oder dem riesigen Sequoia. Sie alle haben PS-starke Ottomotoren an Bord. Der Camry ist vor kurzem zur allgemeinen Überraschung wieder mit großvolumigen Saugmotoren anstatt mit kleineren Turbos vorgestellt worden. Dementsprechend bescheiden sind die Verbrauchswerte – da können auch ein paar Kleinwagen oder Hybride nichts mehr in der Gesamtbilanz retten, zumal die EPA die tatsächlichen Verkaufszahlen zugrundelegt.

Diesel statt Hybrid

Bei Mazda dagegen sind in den USA abgesehen vom großen CX-9 nur kleine und kompakte SUV sowie Limousinen, Kleinwagen oder der Mini-Roadster MX-5 im Programm. Die Modellpalette unterscheidet sich nicht besonders von der europäischen. Der Vorsprung von Mazda beim Verbrauch dürfte künftig noch weiter wachsen, weil die Japaner in den USA – ähnlich wie viele US-Hersteller bei ihren Pickups – bei SUV auch Dieselmotoren einsetzen. Besonders bitter für Toyota: Mazda hat auf dem US-Markt kein einziges Hybridmodell im Angebot und kann dennoch die Konkurrenz in Sachen Verbrauch und CO2-Ausstoß hinter sich lassen.

Die jetzt vorgestellten EPA-Daten beziehen sich auf das Jahr 2016, doch auch für die Bilanz 2017 wagt die Umweltbehörde einen positiven Ausblick: Die Realverbräuche der Fahrzeugflotten würden voraussichtlich weiter sinken. Kleiner Trost für Toyota: Neben dem stärkeren Einsatz von Benzin-Direkteinspritzung und Turbo-Technologie prophezeit die EPA auch durch zunehmende Hybridisierung der Autos einen positiven Verbrauchstrend. Bislang erfüllen nur 25 Prozent aller Fahrzeuge auf dem USA-Markt die CO2-Vorgaben, die sich die USA eigentlich für das Jahr 2020 gesetzt hatten. Und das sind alles Hybridfahrzeuge, Plug-In-Hybride, Elektroautos oder Brennstoffzellenautos. Zumindest für die in den USA so beliebten Pickup-Modelle wird es aber wohl eher der Dieselmotor sein, der die Hersteller ihren Vorgaben näherbringt. Und wer weiß, ob die US-Regierung die Vorgaben nicht ohnehin kassiert. Denn von der Dringlichkeit eines verringerten CO2-Ausstoßes sind weder der neue EPA-Chef Scott Pruitt noch das Weiße Haus wirklich überzeugt.


Dieser Text wird von Focus Online zur Verfügung gestellt.


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QuelleToyota
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