Endlich lohnt sich die Reise nach Los Angeles wieder einmal. Während der Krise der US-Hersteller vor einigen Jahren herrschte auf den Ständen teilweise gähnende Leere, die Beleuchtung war an den Pressetagen abgeschaltet. Doch heuer läuft es gut für die kalifornische Metropole; die Hallen sind ausgelastet und es gibt starke Premieren. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Neuvorstellungen.

Die Deutschen

Audi e-tron GT Concept

Mit dem e-tron GT Concept zeigt Audi den Messehammer. Der flache, extrem sportlich gezeichnete Viertürer ist mit einem 590 PS starken Antrieb ausgerüstet, der ihn in nur 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h treibt. Das Interieur wirkt futuristisch. Kleiner Wermutstropfen: Die Leistung wird nicht etwa von einem sauberen und effizienten Verbrennungsmotor erzeugt, sondern von zwei Elektromotoren. Das bedeutet: 600 bis 700 Kilogramm Zusatzgewicht für Batterien – und Nachladezeiten, die für betuliche Reisedurchschnitte sorgen werden. Abseits dieser Grundsatzdiskussion: Einen Tesla wird der e-tron GT zum Frühstück verspeisen.

BMW iNext

BMW zeigt die etwas konfus wirkende Studie iNext, die 2021 auf den Markt kommen soll. Interessanter wäre der i4 gewesen, doch dieses schöne Elektroauto bleibt bis auf weiteres ein mehr oder weniger gut gehütetes Geheimnis. Ansonsten sind auf dem Stand der mit Toyota entwickelte Z4, der neue 8er sowie der massive Geländewagen X7 zu sehen. Ihn gibt es hier auch mit einem V8-Antrieb, der Europa vorenthalten bleibt.

Porsche 992

Bei Porsche steht die Sportwagen-Ikone 911 im Mittelpunkt; bei der jetzt vorgestellten 992-Generation handelt es sich um eine tiefgreifende Überarbeitung des 991. Auf den Markt kommen zunächst Carrera S und Carrera 4S mit 450-PS-Turbomotor, gekoppelt an eine Achtgang-Doppelkupplungs-Automatik. Die Gänge lassen sich leider nicht mehr per Wählhebel auf der Mittelkonsole betätigen, sonder nur noch mit den Paddeln am Lenkrad. Das ist auch deshalb schade, weil Porsche gerade erst die Bedienlogik korrigiert hatte. Aber es wird ja auch noch ein Schaltgetriebe nachgeliefert – leider mit sieben Gängen, was zweifellos einer zuviel ist.

Volkswagen ID Buzz

Volkswagen zeigt die elektrische Transporter-Studie ID Buzz Cargo und den elektrischen Rekordwagen IDR, der im kommenden Jahr noch einige Male zum Einsatz kommen soll. Interessanter ist das reguläre Programm für 2019: Der Jetta bekommt eine GLI-Variante; es kommt ein neuer US-Passat auf PQ46-Plattform mit viel schönerer Form, aber ohne VR6-Motor; der Geländewagen Atlas erhält ein kürzeres Derivat, und 2020 soll auch noch ein Crossover auf den Markt kommen, der etwas kürzer und deutlich günstiger als der Tiguan ist, dabei jedoch größer als der europäische T-Roc. 2020 kommen auch die ersten Elektroautos – und damit ein Jahr später als in Europa. Das VW-Programm in den USA koppelt sich vom europäischen Programm deutlich ab.

Die Asiaten

Genesis G70

Eine der spannendsten Marken ist die noble Hyundai-Tochter Genesis, geführt vom früheren Lamborghini-Manager Manfred Fitzgerald. Auf dem Stand dominiert die Sportlimousine G70, die gerade zum “Car of the Year” der US-Zeitschrift “Motor Trend” gekürt wurde – und zwar zu recht, wie wir bei Testfahrten im Sommer 2018 erleben konnten. Die große Limousine G90 wurde gleichzeitig in Korea überarbeitet, und die sensationelle Sportwagen-Studie Essentia vom Frühjahr 2018 könnte nach wie vor in Serie gehen – vielleicht nicht mit Elektroantrieb, sondern mit Wasserstoff-Brennstoffzelle.

Hyundai Palisade

Hyundai lanciert den großen Crossover Palisade sowie die starke N-Version des hübschen Veloster; bei Kia steht der futuristische neue Soul im Mittelpunkt. Nach Europa kommt nur der Soul, und auch das nur in der Elektrovariante, mit der er sich direkt in einer relativ kleinen Nische verortet.

Mazda 3

Bei den japanischen Herstellern vermag vor allem der neue Mazda 3 zu begeistern; die viertürige Limousine wirkt glatt und elegant, der kompakte Fünftürer ist bullig und muskulös wie ein Sportwagen. Eine von Enthusiasten herbeigewünschte MPS-Variante dürfte es nicht geben, dafür setzen die Japaner auf die Otto- und Dieselmotoren der modernen Skyactiv-Serie.

Die Amerikaner

Jeep Gladiator

Fiat-Chrysler gibt den Kunden, was sie wirklich wollen: Eine viertürige Pickup-Variante des Jeep Wrangler mit dem schönen Namen Gladiator. Der geländegängige Pritschenwagen zeichnet sich dadurch aus, daß sich die Türen herausnehmen lassen und die Frontscheibe heruntergeklappt werden kann. Und bei Dodge steht eine neue Variante des Challenger: Der Challenger Hellcat mit dem 27Z-“Redeye”-Paket, das die Leistung von 717 auf 808 PS treibt.

Lincoln Aviator

Beim Ford-Konzern zieht die Nobelmarke Lincoln die Aufmerksamkeit auf sich: Der SUV Aviator beeindruckt mit starken Maschinen, ausladenden Abmessungen und einer perfekt verarbeiteten Innenausstattung. Mit der Strategie des klassisch amerikanischen, opulenten Luxus hat Lincoln einen dezidiert anderen Weg eingeschlagen als der Hauptkonkurrent Cadillac, der sich auf kühle, europäisch geprägte Performance konzentriert hat.

Cadillac CTS-V

Doch diese Strategie, die mit Autos wie dem CT6 und den V-Modellen eindrucksvolle Früchte getragen hat, ist offenbar gekippt worden. Der Rauswurf von Cadillac-Chef Johan De Nysschen, von niemand geringerem als GM-Chefin Mary Barra persönlich betrieben, beweist eindrucksvoll, wie ungeeignet die GM-Unternehmenskultur für Seiteneinsteiger ist. Jetzt wird De Nysschens langfristig ausgelegte Planung im Rekordtempo abgewickelt. Cadillac sortiert sich wieder hinter den Europäern ein, mit deutlichem Abstand. Und daß GM-Chefin Mary Barra sich mit ihren angekündigten Werksschließungen obendrein den Zorn von US-Präsident Donald Trump zugezogen hat, war ebenfalls Gesprächsthema in Los Angeles.

Tesla

Bangen müssen auch die Elektrohersteller. Das Start-Up-Unternehmen Rivian, das unter einer warmen Subventionsgießkanne einen Pritschenwagen und einen SUV fast bis zur Serienreife entwickelt haben will, muß sich ebenso Gedanken über die langfristige Finanzierung machen wie der kalifornische Platzhirsch Tesla. Gebeutelt von den Anlaufschwierigkeiten des Model 3 profilierte er sich mit einem der bescheidensten Auftritte der Messe in Los Angeles.


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QuelleHersteller
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