Mit einer Sonderedition hat BMW jüngst 40 Jahre 7er gefeiert. Wir werfen einen Blick zurück in die Historie der ersten wirklich sportlichen Oberklasse-Limousine.

BMW 7er (E23)

BMW 7er E23

“Das beste Auto der Welt gab es bereits. Deshalb haben wir uns mehr vorgenommen”: So selbstbewusst ärgerten die Bayern den Platzhirschen aus Stuttgart, als die 7er-Reihe vor 40 Jahren das Vorgängermodell E3 ersetzte. Ganz im Sinne von Vorstandschef Eberhard v. Kuenheim symbolisierte die Oberklasse-Limousine die Abkehr vom Vollgas-Image, für das sich wenige Jahre zuvor vor allem Vertriebschef Bob Lutz starkgemacht hatte. Drei Modelle wurden lanciert, zwei davon noch mit Vergasermotor. Doch die Verkaufszahlen blieben enttäuschend; sogar der Opel Senator lief besser.

BMW 7er (E23)

BMW 7er E23

“Fake News” aus München-Milbertshofen: Unter der Haube des 745i steckte nur ein 3,2-Liter-Motor – allerdings einer, dem ein Abgas-Turbolader Beine machte. Später wuchs der Hubraum auf 3,4 Liter, die Leistung blieb mit 252 PS identisch. Tatsächlich hatte BMW auch mit größeren Motoren experimentiert. Doch der 4,5-Liter-V8 aus dem Porsche 928, der BMW angeboten wurde, erwies sich als schwachbrüstig, und der 250 bis 280 PS starke V12-Motor aus eigener Entwicklung wurde als Übertreibung verworfen.

BMW 7er (E23)

BMW 7er E23

Der interessanteste 745i kam aus Südafrika: Dort verzichtete man auf den Turbomotor und entschied sich statt dessen für den auf 290 PS leistungsgesteigerten Vierventiler aus M1 und M635 CSi. Es gab ihn auch mit Handschaltung. Und er lief für das Winfield-Team zwei Jahre lang äußerst erfolgreich als Rennwagen.

BMW 7er (E32)

BMW 7er E32

Der Schritt vom E23 zum E32 war abermals gewaltig. “Bei Mercedes hat man mir gesagt, dass Ihr so ein Auto nicht bauen könnt”, soll der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß bei einer Privat-Präsentation gesagt haben. Der zweite 7er, gezeichnet unter dem früheren NSU-Chefdesigner Claus Luthe, ließ die S-Klasse richtig alt aussehen. Erstmal kam der 7er als Langversion, und er glänzte als Innovator – nicht zuletzt mit DE-Projektionsscheinwerfern 1986 und Xenon-Licht im Jahr 1991.

BMW 7er (E32)

BMW 7er E32

Vor allem vom 300 PS starken V12-Motor wurde Mercedes-Benz kalt erwischt; nach dem langen und öffentlichen Münchner Hin und Her hatte man nicht mehr damit gerechnet. Doch der 750i wurde Realität, mit einem Auspuff, der offensichtlich den Triebwerken der Concorde nachempfunden war. Ein V16-Prototyp wurde rasch ad exitum geführt – genau wie bei Daimler: “Wir sind froh, diesen Weg nicht weiterverfolgt zu haben”, erzählte ein Vorstand. Die hohe Leistung gab Anlass zu einer Absprache unter den deutschen Automobilherstellern, die man heute in Hamburger Redaktionsstuben und geistig verwandten Staatsanwaltschaften wohl unter Kartellverdacht stellen würde: Man entschied sich, es bei einer Spitze von 250 km/h bewenden zu lassen. Die Verbauquote des Prestige-Motors stieg dennoch auf geradezu unglaubliche rund 20 Prozent.

BMW 7er (E32)

BMW 7er E32

Der auf die interne Bezeichnung M70 hörende V12 basierte im Prinzip auf den Reihen-Sechszylindern der Marke. Das erstaunliche Potential des leichten und kompakten Trebwerks manifestierte sich im McLaren F1: Dort kam es auf über 600 PS.

BMW 7er (E38)

BMW 7er E38

Neue Bescheidenheit: Während Mercedes-Benz mit dem gewaltigen W140 in Hinblick auf den E32 überreagierte, präsentierte sich die dritte 7er-Generation (E38) auf den ersten Blick überaus moderat. Die Motorleistungen hielten großen Respektsabstand zu den Stuttgartern, und die Auspuffrohre versteckten sich verschämt hinter der tief heruntergezogenen Heckschürze.

BMW 7er (E38)

BMW 7er E38

Die 7er-Reihe E38 war die erste mit einem Dieselmotor: Der sanfte 725tds leistete 143 PS. Und er war der letzte 7er, den es mit Handschaltung gab – bis hoch zum 740i mit V8-Motor. Der V12-Motor, noch immer leicht und kompakt, wurde in der Leistung moderat angehoben.

BMW 7er (E38)

BMW 7er E38

Auch der E38 steckte voller Informationen – so gab es ihn mit dem Navigationssytem CARIN. Der leichtfüßige E38 ist unter allen 7ern vielleicht das ideale Selbstfahrerauto.

BMW 7er (E65)

BMW 7er E65

“Dieses Heck wird uns noch lange heimsuchen”, merkte ein Dissident im BMW-Vorstand an, als sich die neue Linie bei 6er, 7er und weiteren Modellen durchsetzte. Tatsächlich wollte BMW beim neuen 7er mit Blick auf den US-Markt alles anders machen. So ausladend wie der 7er E65 wirkte zuletzt der legendäre “Barockengel”, und mit dem neuen Cockpit nahmen die Bayern auch gleich Abschied von der berühmten Fahrerorientierung. Der Verzicht auf ein manuelles Getriebe erlaubte zudem die Einführung einer Lenkradautomatik – nach ganz alter Väter Sitte. Dafür ließ sich der iDrive-Knopf in gleich acht Richtungen bewegen.

BMW 7er (E65)

BMW 7er E65

Die gewöhnungsbedürftige Frontpartie des 7er ist bei diesem Technik-Träger von 2002 mit Pixel-Licht ausgerüstet, einer Technologie, die seit kurzem wieder ins Gespräch kommt – allerdings bei Mercedes-Benz. BMW setzt heute auf Laser-Licht.

BMW 7er (E65)

BMW 7er E65

Unter der voluminösen Haube saßen weiterhin 6- und 8-Zylinder-Aggregate oder der deutlich gewachsene V12, der nun auch im Rolls-Royce Phantom seinen Dienst verrichten muss. BMW hoffte weiter auf den Durchbruch des Wasserstoff-Antriebs und stellt eine Flotte von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zusammen, die sich als letztes Aufbäumen der Technologie entpuppt. Die US-Behörden erkennen den Wasserstoff-Verbrennungsmotor nicht als emissionsfrei an, weil er mit Öl geschmiert wird. Damit ist das Thema nach jahrzehntelanger Forschung und Entwicklung erledigt.

BMW 7er (F01)

BMW 7er F01

Noch größer, noch komfortabler: Die 7er-Reihe wächst weiter, gibt sich stilistisch allerdings verträglicher. Der Wählhebel wandert wieder auf die Mittelkonsole, die Fahrerorientierung kehrt in Maßen zurück: Ein Eingeständnis, dass der E65 sich in die falsche Richtung entwickelt hatte. Das Design orientiert sich nicht zuletzt an chinesischen Geschmäckern.

BMW 7er (F01)

BMW 7er F01

Der V12-Motor wird erstmals von zwei Abgas-Turboladern zwangsbeatmet; Leistung und Drehmoment bewegen sich in luftigen Höhen. Der Titel des sportlichsten Angebotes in der Oberklasse ist allerdings von München nach Ingolstadt gewandert: Dem Audi S8 hat BMW nichts entgegenzusetzen.

BMW 7er (F01)

BMW 7er F01

Mit dem 7er der Baureihe F01 gehört BMW zu den Hybrid-Pionieren – zunächst auf Basis des V8-Motors, dann mit Reihen-Sechszylinder. Genützt hat es wenig: Die Verkaufszahlen bewegen sich auf homöopathischer Ebene.

BMW 7er (G11)

BMW 7er G11

Der 7er mit dem Entwicklungscode G11 ist noch immer frisch – und er steckt voller Technik: Entsprechend hochoptioniert kann er sogar selbst einparken. Der Schlüssel verfügt über einen TFT-Bildschirm, das Telematiksystem lässt sich über Gesten steuern, und für Fernsicht sorgen Laser-Scheinwerfer. Die Formgebung ist evolutionär, das Auto wirkt etwas sportlicher als bisher.

BMW 7er (G11)

BMW 7er G11

Endlich gibt es einen M7 – nun ja, fast: Das Topmodell mit der sperrigen Bezeichnung M760Li xDrive ist lediglich ein “M Performance”-Typ. Unter ihnen allerdings der einzige, dessen Abregelung sich von 250 auf 305 km/h anheben lässt.

BMW 7er (G11)

BMW 7er G11

Soviel Auswahl gab es noch nie: Die aktuelle 7er-Reihe ist mit 4, 6, 8 oder 12 Zylindern zu bekommen, mit Otto- und Dieselmotor sowie als Hybrid. Es gibt Hinter- und Allradantrieb. Aber noch keine Antwort auf die Mercedes-Maybach S-Klasse. München, so ist zu hören, arbeitet daran.


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QuelleBMW
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