“Die Zukunft ist elektrisch und autonom”: Was Politiker, Unternehmenslenker und Futurologen für ausgemacht halten, ist noch längst nicht sicher. Die Kunden befleißigen sich bei den E-Mobilen großer Zurückhaltung, und die Technik für autonomes Fahren ist noch weit entfernt davon, den Fahrer ersetzen zu können – wenn sie es überhaupt schafft.

Doch die Aussicht auf umwälzende Veränderungen lockt neue Mitspieler in die Branche. Es sind vor allem chinesische Investoren, die nicht nur auf dem Heimatmarkt, sondern auch in Europa und den USA reüssieren wollen. Dabei sind die neuen Marken teils im großen Stil auf Einkaufstour gegangen und haben Entwickler und Designer von den etablierten Konzernen abgeworben.

Hier ist eine Übersicht der Marken, die man im Auge behalten sollte.

Byton

Byton

Byton wird geführt vom früheren BMW-Manager Carsten Breitfeld, der einst für den Hybrid-Sportwagen i8 verantwortlich zeichnete. Jetzt wurde auf der CES in Las Vegas ein Elektro-Crossover-Van vorgestellt, der ab 2020 für 45 000 Dollar in den Verkauf gehen soll. Das Exterieur-Design? Hat man schon mal gesehen. Innen spreizt sich ein horizontaler Bildschirm über fast die gesamte Fahrzeugbreite. Das Auto soll mit einer Ladung 500 Kilometer weit kommen.

EVelozcity

Evelozcity

Nach seinem dramatischen Ausstieg bei Faraday Future hat der frühere BMW- und Deutsche-Bank-Vorstand Stefan Krause ein neues Projekt gefunden: Unter der Bezeichnung EVelozcity will die Firma “die kompetitivste, fähigste, vernezteste und sauberste Mobilität” auf den Markt bringen. Mit von der Partie: Chefentwickler Ulrich Kranz. Zu sehen gibt es noch nichts, aber die Firma rekrutiert emsig Mitarbeiter.

Faraday Future

Faraday Future FF91

Extrem stark, mit futuristischem Design und einem hochmodernen Interieur: Der FF 91 von Faraday Future lässt den Tesla Model X alt aussehen. Zudem liefert er die Höchstleistung auch bei mehrfachem Abruf – anders als Tesla. Auf dem Markt ist das Auto allerdings noch nicht: Faraday Future leidet unter der chaotischen Führung des Exzentrikers Yia Yueting, kurz “YT”. Mittlerweile sind zahlreiche Manager abgesprungen, und die schnippische Pressemeldung, die Stefan Krause hinterhergesendet wurde, hat FF eine Verleumdungsklage eingetragen. Schade, denn der FF91 hat besseres verdient.

Fisker

Fisker Emotion

Nur neun Minuten soll es dauern, bis die Batterien des Fisker EMotion Strom für 200 Kilometer aufgenommen haben. Wenn die maximal 260 km/h ausgeschöpft werden, dürften die Reserven allerdings deutlich schneller zur Neige gehen. Henrik Fisker ist bekannt für kühne Pläne, und dazu dürfte auch sein Ziel zu rechnen sein, den Emotion bereits nächstes Jahr auf die Straße zu bringen.

Karma

Karma Revero

Während sich Henrik Fisker neuen Ufern zugewandt hat, arbeitet Karma Automotive unverdrossen an der Neuauflage des mittlerweile etwas betagten Fisker Karma. Er hört nun auf die Modellbezeichnung Karma Revero und verfügt weiterhin über einen Elektroantrieb mit einem Benzinmotor, der als Generator fungiert. Die Preise beginnen bei 130 000 Dollar.

Lucid

Lucid

Der klassisch gezeichnete Viertürer von Lucid will in der Oberklasse antreten. Die Riege der Investoren ist teilweise identisch mit Faraday Future, das Produkt unterscheidet sich deutlich. Die Leistung soll rund 1000 PS betragen, ein Prototyp lief kürzlich 378 km/h. In Arizona will Lucid demnächst zwischen 20 000 und 130 000 einheiten pro Jahr bauen.

Nio

Nio ES8

Nach dem in Kleinstserie gebauten Rekordsportwagen EP9 und der autonomen Studie EVE lanciert Nio den deutlich konventionelleren SUV ES8, ausgerüstet mit einem 644 PS starken Antrieb. Die Spitze liegt dennoch nur bei rund 200 km/h. Das relativ konventionelle Interieur zeichnet sich durch einen “Lounge”-Sitz auf der Beifahrerseite aus. Die Form, gezeichnet unter dem früheren BMW-Designer Kris Tomasson, ist elegant, aber die Proportionen bleiben klassisch. Immerhin: Der Nio S8 rollt in Kürze auf die Straßen. Jedenfalls in China.

Qoros

Qoros K-EV

Qoros hat sich mit Autos an der Schwelle zum Premiumsegment einen Namen gemacht, jetzt arbeiten die Chinesen an der Serienreife der extrem anspruchsvollen Elektro-Limousine K-EV. Unter den zahlreichen Crossover-Modellen, die wie auf Stelzen auftreten, wirkt der vollelektrisch K-EV erfreulich sportlich und aggressiv. Gezeichnet wurde das Modell unter Chefdesigner Gert Hildebrand.

Thunder Power

Thunderpower

Die Formensprache kommt aus Italien, die Technik ist elektrisch: Die chinesische Firma setzt auf klassische Proportionen, sanfte Formen und brutale Leistung. Das 250 km/h schnelle und 664 PS starke Coupé TP-488C kann bereits bestellt werden, auch einen Viertürer wird es geben. Die Schaffung der Markenidentität oblag dem italienischen Karossier Zagato.

Für jede der neuen Marken gilt: Die Pläne sind gigantisch, doch längst arbeiten die etablierten Hersteller mit Hochdruck an der Markteinführung ihrer eigenen Elektroautos, die ihnen gefährlich werden können. Denn auch wenn von diesem Hype angesichts der verheerenden Gesamt-Umweltbilanz der E-Mobilität nicht viel übrigbleibt: Eine Nische für die Stromer wird es allemal geben. Schließlich wollen die ganzen Teslas auch einmal ersetzt werden.


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