Volkswagen und Diesel: Eine Kombination, die seit September 2015 die globalen Schlagzeilen beherrschte. Dieselgate hat die deutsche Autoindustrie verändert – und das Wort “Diesel” scheinbar zu etwas schmutzigem gemacht. Gibt es heute überhaupt noch einen Platz für Dieselmodelle auf der Welt?

Am besten probieren wir es einmal aus. Zum Beispiel mit dem neuesten Modell von Volkswagen: der dritte Generation des Touareg. Zur Markteinführung ist der SUV nur mit einem 3,0-Liter-V6-TDI-Motor mit zwei unterschiedlichen Leistungsoptionen erhältlich: mit 231 PS und mit 286 PS. Beide sind an eine 8-Stufen-Automatik und Allradantrieb gekoppelt. Und sie liefern enormes Drehmoment. Demnächst kommt ein 340 PS starker V6-Benzinmotor hinzu – zusammen mit einem 421 PS starken V8 TDI. Für China soll es auch einen 367-PS-Plug-in-Hybrid geben.

Dieselgate oder nicht: Längst hat Volkswagen die Lücke zum Premium-Segment geschlossen – und die Modelle Touareg und Arteon sehen eigentlich besser aus als die teureren Audi-Modelle. Der große Frontgrill und die horizontalen Linien unterstreichen die Breite und wirken hochwertig.

Auch die sauber gestaltete Innenausstattung sorgt für Differenzierung. Zwei digitale Displays dominieren das fahrerorientierte Armaturenbrett – ein großer 15-Zoll-Touchscreen in der Fahrzeugmitte und die optionale 12,3-Zoll-Instrumentierung hinter dem Lenkrad. Alle Infotainment-, Navigations- und Klimaregelungen werden über den Haupt-Touchscreen, die Sprachsteuerung oder die Tasten am Lenkrad aufgerufen. Das Fehlen von Schaltflächen schafft Platz für zusätzliche Ablagen und Cupholder.

Perfekt ist das nicht, insbesondere vermisse ich den direkten Zugriff auf die Klimaregelung. Der virtuelle Knopf, um dieses Menü auf dem großen Bildschirm aufzurufen, ist ziemlich weit oben auf dem Bildschirm plaziert; man muß sich nach vorne strecken, um ihn zu erreichen. Insgesamt funktioniert das System jedoch gut und ist intuitiv zu bedienen.

Das Interieur ist schön gezeichnet, die Sitzposition bietet viel Beinfreiheit und gute Sicht rundum. Das ganze wirkt wie eine Kombination aus Tesla und Range Rover mit klaren Linien, hochwertigen Materialien und guter Ergonomie. Die optionalen Sitze mit Massagefunktion und Sitzkühlung sind jeden Cent wert.

Unser Testfahrzeug ist mit der adaptiven Luftfederung, Allradlenkung und Wankstabilisierung ausgerüstet. All das funktioniert in perfekter Harmonie – gerade die Allradlenkung ist mit dem reduzierten Wendekreis in der Stadt sehr hilfreich. Doch der Touareg bleibt immer noch ein sehr großes Auto, vielleicht zu groß für viele europäische Städte; auf der Autobahn kann man sich allerdings kaum einen besseren Begleiter vorstellen.

Mehr Leistung wäre nicht schlecht

Der stärkere V6-TDI-Motor beschleunigt in 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 238 km/h Spitze. Der 75-Liter-Tank ermöglicht Fahrten über 1000 Kilometer auf einem Tank – vielleicht auf der deutschen Autobahn ein bißchen weniger. Eigentlich würde etwas mehr Leistung nicht schaden, der TDI wirkt manchmal etwas angestrengt, dafür ist das Drehmoment von unten heraus hervorragend. Etwas mehr Motordämmung würde nicht schaden, und vielleicht sollte VW über eine künstliche Klangverstärkung wie bei den SQ-Modellen von Audi nachdenken.

Optional kann der neue Volkswagen Touareg mit einem umfangreichen Fahrerassistenzsystem ausgestattet werden. Die neueste Version des adaptiven Tempomat bremst nicht nur bei einem vorausfahrenden Auto, sondern paßt sich auch an Tempolimits an und bremst in Kurven ab. Er funktioniert jetzt bis zur Vmax, reagiert aber reichlich spät, wenn ein anderes Autos in die Spur einschert.

Die Konkurrenz für den Volkswagen Touareg ist hart: Neben dem Audi Q7 und dem Range Rover Sport kommt ein neuer BMW X5 auf den Markt, nächstes Jahr kommt zudem ein neuer Mercedes-Benz GLE. In puncto Design ist der Touareg wohl eines der attraktivsten Autos im Segment, gleiches gilt bei Interieur und Infotainment. Einige Konkurrenten bieten allerdings eine dritte Sitzreihe an, die Volkswagen nicht liefern kann.

Volkswagen und Diesel: Diese Kombination dürfte, jedenfalls nach unseren Erfahrungen mit dem neuen Touareg, wieder zur Erfolgskombination werden. Vor allem, wenn der V8 TDI dem Leistungsdefizit abhilft.


NEWSLETTER ABONNIEREN

Unser Newsletter liefert täglich die neuesten Artikel und die spannendsten Geschichten direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Geben Sie uns einfach Ihre E-Mail-Adresse und los geht Ihr kostenloses Newsletter-Abonnement.

Überblick der Rezensionen
Volkswagen Touareg
8.1
QuelleVolkswagen
Teilen

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here