Genf steht vor der Tür: Motorjournalisten und Industriemanager bereiten die mediale Choreographie vor, Budgets werden ausgereizt, die Hotels treiben die Preise in einsame Höhen. Von Las Vegas über Detroit und Genf bewegt sich der Tross nach China, gastiert im Frühherbst in Paris und beendet den Jahreslauf schließlich in Los Angeles. Oder in Kanton/Guangzhou. Oder auf einer der zahlreichen spezialisierten Messen, die sich an Liebhaber von Oldtimern, Extremtuning oder Mobilitätskonzepten richten.

In dieses Szenario platzte unlängst die Nachricht, dass Daimler im kommenden Jahr auf die Teilnahme an der Detroiter Automesse (NAIAS) verzichtet. Und das dürfte gravierende Auswirkungen auf die einst so stolze Industrieshow in “Motor City” haben. Dabei geht die wichtigste unmittelbare Gefahr von der CES in Las Vegas aus – jener zunehmend von der Autoindustrie besetzten Elektronikmesse, die nicht mehr “Consumer Electronics Show” genannt werden möchte.

NAIAS 2018

Es stimmt: Während durch Detroit der kalte Wind der letztjährigen Skandale wehte, war die Stimmung auf der CES optimistisch und positiv. Weil neue Autos ständig vernetzter werden und die Industrie ihre Zukunft in der Transformation von Produktionsriesen zu vollintegrierten Mobilitäts-Dienstleistern erblickt, gewinnen die Technologie-Messen rasch an Relevanz und Status.

Zur Messe in Detroit hat Daimler folgendes zu sagen: “Aufgrund der steigenden Komplexität der Branche und der Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen, die in Zukunft von Mercedes-Benz oder den Sub-Marken bereitgestellt werden, bewerten wir unsere Kommunikationsplattformen ständig neu, um die bestmögliche Reichweite zu erzielen. Als Ergebnis dieser Bewertung passen wir derzeit unsere Auto- und Fachmessen-Strategie an, um sie mit den kommenden Produkteinführungen in Einklang zu bringen. Nach gründlicher Überlegung haben wir uns entschieden, 2019 nicht an der NAIAS teilzunehmen. Unsere Messeteilnahmen werden in Zukunft fallweise entschieden.”

Die Entscheidung ist richtig

Wir können Daimler kaum einen Vorwurf machen. Über Jahre hinweg haben die Stuttgarter diese Messe unterstützt, und heuer wurde ein Großteil der Journalisten von Daimler eingeladen, während Audi ein Downgrade zur Händlermesse durchgeführt hat und Hersteller wie Bentley, Porsche, Maserati, Volvo, Jaguar und andere sich komplett verabschiedet haben.

NAIAS 2018

Nicht nur für die Messe in Detroit ist damit eine Stunde der Wahrheit gekommen. Die Anpassung an die Bedürfnisse der Autohersteller ist der Schlüssel zum Überleben der großen Messen. Es werden weitere verschwinden. Und das ist schade, zumal die Probleme sich lange angekündigt haben.

Wer sich behaupten will, muss mehr als andere bieten. Der Genfer Salon hat bislang seinen spezifischen Charakter und Reiz behalten, und Veranstaltungen wie das höchst interaktive Goodwood Festival of Speed gewinnen an Bedeutung. Unterdessen experimentieren die Autohersteller mit anderen Formaten abseits der klassischen Messe – wie etwa dem “Audi Summit”. Und der Endkunde? Der ist durch das Internet und die Vielzahl an Webseiten und Konfiguratoren ohnehin besser informiert denn je.


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QuelleDaimler
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