Mercedes-Benz ist mit der A-Klasse längst in der Kompaktklasse angekommen. Anfang der 80er-Jahre war der 190er, direkter Vorfahr der C-Klasse, noch hochumstritten, und die nochmals kleinere erste A-Klasse hat ihrer Existenz nur dem Elektrowahn zu verdanken, der Kalifornien in den 90er-Jahren heimsuchte. Damals sollten Verbrennungsmotoren abgeschafft werden, und Mercedes-Benz entwickelte die A-Klasse mit ihrem für die Akkus vorgesehenen doppelten Boden, um mitziehen zu können.

Als der Gesetzgeber zur Besinnung kam und das elektrische Experiment abblies, war die Arbeit an der A-Klasse bereits so weit fortgeschritten, dass Mercedes-Benz beschloss, das Auto in ein konventionell angetriebenes Modell umzuwandeln. Und das wurde in zwei Modellgenerationen gefertigt, bevor die Firma einen strategischen Wechsel vollzog: 2012 wurde die A-Klasse zu einem völlig anderen Automobil, einer sportlichen und lifestyle-orientierten Alternative zu VW Golf und Audi A3. Jetzt bringt Mercedes-Benz die A-Klasse der vierten Generation auf den Markt; es ist die zweite Generation der neuen Ära.

Die Steilheck-Variante der neuen A-Klasse dient als technische Basis für sieben weitere Modelle: Die Stufenheck-Version der A-Klasse mit kurzem und langem Radstand; den nächsten CLA und den CLA Shooting Brake; die Nachfolger von GLA und B-Klasse sowie ein robustes Geländefahrzeug, das GLB heißen wird. Zudem wird es zwei vollelektrische Modelle unter der Marke Mercedes-EQ geben.

Im Vergleich zur ausgehenden A-Klasse ist das neue Modell etwas gewachsen, vor allem in der Länge. Der cw-Wert liegt trotz der aerodynamisch ungünstigen liegenden Heckscheibe bei nur 0,25. Die vergrößerte Grundfläche bedeutet deutlich mehr Innenraum und mehr Gepäckraum. Die Form ist viel sportlicher: Mit abgesenkter Motorhaube, einem nach unten öffnenden Grill und den extrem schlanken Scheinwerfern erinnert die A-Klasse an den neuen CLS. Die Schulterpartie wird durch die sogenannte “catwalk line” akzentuiert, und das Heck wirkt breiter und eindrucksvoller als zu vor.

Daimler hat das Fahrwerks- und Antriebs-Portefeuille erheblich aufgewertet. Abhängig von der Leistungsklasse wird eine Verbundlenkerachse oder eine aufwendige Vierlenkerachse verbaut. Die Radgrößen liegen zwischen 16 und 19 Zoll, und es stehen drei Fahrwerke zur Auswahl.

Die Kooperation läuft weiter

Für Vortrieb sorgen 1,3-Liter- bzw. 2,0-Liter-Ottomotoren oder ein 1,5-Liter-Turbodiesel. Der Diesel und der kleinere Benzinmotor wurden gemeinsam mit Renault entwickelt, der größere Benzinmotor gehört zur neuen 4- und 6-Zylinder-Motorenfamilie von Daimler. Für die Kraftübertragung sorgen Sechsgang-Handschalt- oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Später werden wir eine AMG-Version mit fast 400 Pferdestärken sehen, und es könnte ein Modell mit rund 300 PS dazwischengeschoben werden. Allradantrieb (4Matic) ist optional.

Im Interieur sind die Veränderungen umfassend. Das Armaturenbrett verfügt über freistehende Bildschirme; es sieht der E-Klasse und der S-Klasse sehr ähnlich. Die Benutzeroberfläche, die Daimler “MBUX” (“User Experience”) nennt, ist die wohl fortschrittlichste in der Klasse, vielleicht sogar in der gesamten Branche. Sie verfügt über eine intuitive Sprachsteuerung, die zum Beispiel auch eine relativ unpräzise Aussage wie “mir ist kalt” korrekt interpretiert und eine Anpassung der Temperatur anbietet. Aktiviert wird das System mit der flapsigen Ansprache “Hey Mercedes”.

Der zentrale Bildschirm ist jetzt berührungsempfindlich ausgeführt, und auf der Mittelkonsole befindet sich ein zusätzliches Touchpad, das die bisher verwendete “Cobra” überflüssig macht. Die TFT-Bildschirme können in verschiedenen Stilen konfiguriert werden, von denen die Variante “Dezent” besonders puristisch wirkt. All dies wird irgendwann in die C-, E- und S-Klasse wandern, aber vorerst bietet die A-Klasse das fortschrittlichste System: Die Zeiten von Trickle-Down-Economics sind vorbei. Heute ist das Tempo noch wichtiger.

Die Systeme zum teilautonomen Fahren liegen praktisch auf dem Niveau der S-Klasse. Anspruchsvoll ist auch das Interieur der A-Klasse. Es gibt drei verschiedene Sitztypen; und das Armaturenbrett kann mit Echtholz ausgestattet werden. Das optionale Ambientelichtsystem bietet 64 Farben und verschiedene Modi mit wechselnden Lichtstimmungen.

All das lässt nicht nur das Vorgängermodell, sondern auch die Konkurrenz einigermaßen alt aussehen: Die A-Klasse ist die neue Messlatte im Segment.


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QuelleDaimler
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