Der Wechsel vom Verbrennungsmotor zu elektrischen Antrieben ist nichts, um das sich die deutsche Autoindustrie gerissen hätte. Natürlich gab es schon jahrzehntelang Prototypen und Konzepte mit Elektromotoren. Aber die Hauptarbeit wurde in die Verfeinerung des Verbrenners gesteckt.

Jetzt ändern sich die Zeite – vielleicht. Es ist noch längst nicht ausgemacht, daß der Wechsel zur E-Mobilität so leicht möglich wäre, oder überhaupt wünschenswert. Aber wenn es passiert, steht die deutsche Industrie bereit. Insbesondere Daimler: Die Stuttgarter haben die Submarke Mercedes-EQ lanciert, ausschließlich zum Zweck, eine wachsende Produktlinie von reinen Elektroautos aufzubauen.

Der ECQ 400 4Matic basiert auf dem Mercedes-Benz GLC, aber es ist der Designabteilung unter Gorden Wagener gelungen, eine so originelle wie moderne Formensprache für die neue Marke zu erschaffen. Der Grill ist EQ-spezifisch, je nach Ausstattung dominieren blaue und kupferfarbene Akzente, und das Heck wird von einer breiten, horizontalen Rückleuchte dominiert. Es gibt sogar eine deutlich differenzierte AMG-Linie.

Das Interieur entstammt unverkennbar dem GLC, aber es gibt viele exklusive Designelemente. Und das Cockpit verfügt über die Nutzeroberfläche MBUX, die unter den Infotainment- und Telematiksystemen branchenweit führend sein dürfte.

Jüngst hatten wir Gelegenheit zur Mitfahrt in einem Prototypen: Die ungemein leise Kabine und die Beschleunigung waren beeindruckend. Und das ist kein Wunder, denn der Antrieb kann sich sehen lassen: Die Accumotive-Lithium-Ionen-Batterien mit 80 kWh Kapazität speisen zwei Asynchron-Motoren, an der Vorder- und Hinterachse angeordnet. Die Gesamtleistung liegt bei eindrucksvollen 300 kW/408 PS, das maximale Drehmoment wird mit 765 Nm angegeben.

Damit gibt es zufällig genauso viel Leistung wie beim legendären 600 SEL von 1990, dessen Zwölfzylinder seine 408 PS damals als glatten sechs Litern Hubraum schöpfte. Die Beschleunigung des EQC ist noch besser: Von 0 auf 100 km/h verstreichen lediglich 5,1 Sekunden. Die Vmax hingegen ist nicht sonderlich eindrucksvoll: Schon bei 180 km/h wird abgeregelt. Doch diese Strategie ist sicherlich seriöser als jene von Tesla, wo der Wagen deutlich schneller läuft, jedoch nur kurz: Anschließend müssen Antrieb und Batterien mit Hochdruck heruntergekühlt werden.

Mercedes-EQ sagt, daß das Modell über 450 Kilometer weit kommt. Doch diese Angabe spiegelt den NEFZ-Zyklus wider, der so ausgelegt wurde, um der möglicherweise skeptischen Kundschaft Sand ins Auge zu streuen. In den USA sind die Angaben ehrlicher: Dort spricht der Hersteller von „bis zu 320 Kilometern“. An Schnelladegeräten kann binnen 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent hochgeladen werden.

Gewogen und für schwer befunden

Die Batteriekapazität fordert übrigens ihren Tribut: Stolze 650 Kilogramm bringen die Akkus auf die Waage. Damit steigt das Leergewicht des EQC 400 auf über 2,4 Tonnen.

Die numerische Modellbezeichnung deutet übrigens darauf hin, daß auch noch andere Leistungsstufen auf den Markt kommen könnten. Klar ist, daß die hohe Qualität die Messlatte für alle anderen Elektroautos deutlich höherlegt – auch for den Jaguar I-Pace, ganz besonders jedoch für die lieblos zusammengebauten Tesla-Typen.

Die Tatsache, daß der EQC 400 auf dem GLC basiert, schafft übrigens eine bemerkenswerte Vergleichbarkeit der Antriebskonzepte. Denn das Ausgangsmodell wird mit Otto-, Diesel- Otto-Plug-In-Hybrid und demnächst auch noch mit Wasserstoffantrieb gebaut. Nie zuvor konnten die Vor- und Nachteile der Konzepte so exakt abgewogen werden.


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